Natur Natur sein lassen

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 5,00 h
Entfernung:
ca. 17,50 km
Höhenunterschied:
ca. 657 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
lang
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Große Karte der Sächsischen Schweiz (regenfest);
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Schmilka Parkplatz - B172 - roter Punkt - Dorfstraße Schmilka - Schmilk´sche Mühle - Ilmenquelle - gelber Strich - Grenzweg - roter Punkt - Winterbergstraße - Kipphornaussicht - roter Punkt - Winterbergstraße - Goßer Winterberg - blauer Strich - Fremdenweg - grüner Punkt - Krinitzgrab - Richterschlüchte - Bergpfad - Goldsteig - Roßsteig - blauer Strich - Goldsteinaussicht - blauer Strich - Katzenstein - grüner Punkt - Fremdenweg - Wurzelweg - Zwieselhütte - Elbleitenweg - grüner Strich - Kleine Bastei - Schmilka - B172 - Elbeweg - Schmilka Parkplatz

Beschreibung:

Die Wanderung ist dadurch entstanden, dass wir neugierig waren, wie es auf deutscher Seite nach dem Waldbrand im Sommer 2022 aussah. Wenn man sich die Berichterstattung in den Medien ansah, dann hatte man den Eindruck, dass der komplette hintere Nationalpark abgebrannt wäre. Irgendwie erschien uns das aber doch sehr übertrieben und so wollten wir uns einen eigenen Eindruck verschaffen. Den ersten Versuch, ein paar Wochen nach dem Feuer, hatten wir kurz hinter der Kipphornaussicht abgebrochen, da es angefangen hatte wie aus Kübeln zu schütten. Im klitschnassen Zustand macht das Wandern einfach keinen Spaß.

Im Herbst habe ich mich dann nochmal auf die Socken gemacht und es hat besser geklappt. Der Startpunkt ist der Parkplatz in Schmilka. Schmilkche_Muehle_kleinVon dort geht es auf der einzigen Straße (mit Ausnahme der B172) den Berg hinauf in Richtung Großer Winterberg. Markiert ist der Aufstieg mit dem roten Punkt roter Punkt und schon bald passiert man die Schmilk’sche Mühle. Wenn man morgens dort vorbeikommt, dann duftet es sehr häufig nach frisch gebackenen Brötchen, Broten und Kuchen. Auch wenn die Backwaren wirklich extrem teuer sind, so sind sie auch super lecker. Das ist keine Reklame, sondern die Meinung unserer kompletten Familie.

Hinter dem letzten Haus auf der rechten Seite biegt man ab und folgt noch ganz wenige Meter dem roten Punkt, bis es wieder nach rechts abgeht. Dieser Weg ist mit dem gelben Strich gelber Strich markiert und zum Anfang geht es sehr flach oberhalb der Ortschaft entlang. Da der Große Winterberg der höchste Berg der Sächsischen Schweiz ist, kann es natürlich mit der Steigung nicht so bleiben. Der Grenzweg führt parallel zur tschechischen Grenze, die man auch immer mal wieder in Gestalt einiger Grenzsteine auf der rechten Seite sieht und endet auf der Winterbergstraße. Hier stand bei unserem ersten Versuch dieser Wanderung ein riesiges Löschwasserbecken, das immer noch gefüllt war. Im Sommer wäre es bestimmt einen tolles Plantschbecken gewesen.

Die Wanderung geht nach rechts in fünf Serpentinenkurven aufwärts. Zwischendurch verlässt die gelbe Wanderwegmarkierung die Straße und man folgt dem roten Punkt roter Punkt, weiter auf der Straße. Kurz nachdem man die gelbe Wanderwegmarkierung verlassen hat, ist nach links die Aussicht Kipphorn ausgeschildert. Das ist ein sehr netter Platz mit einem schönen Blick ins Elbtal und hinüber auf die Tafelberge der anderen Elbeseite. Angebrannte_Buche_Kipphorn_kleinDer Zu- und Abgang zu der Aussicht gabelt sich ein kleines Stück vor der Straße  und so kann man von der Aussicht nach links wieder bis zur bekannten Winterbergstraße wandern. In dem Dreieck zwischen dem Zu- und Abgang konnten wir bei unserem ersten Versuch ganz deutlich Spuren von verbrannten Buchenbüschen entdecken. Auch wenn jetzt beim zweiten Versuch schon Herbst war, ließen sich an den Blättern noch die Brandspuren erkennen, aber nur auf einem ganz kleinen Gebiet. Das sah bei weitem nicht so aus wie in den Fichtenwäldern, aber ich bin mal gespannt, wie es im nächsten Frühjahr aussieht. Auf jeden Fall ist es in diesem Bereich nur eine mini Brandfläche gewesen, die noch sehr harmlos aussieht.

Von der Kipphornaussicht führt die Wanderung weiter auf der Winterbergstraße (roter Punkt roter Punkt) nach links den Berg hoch. Erfreulicherweise hat das Feuer, mit ganz wenigen, kleinen Ausnahmen, den kompletten Buchenwald verschont. Woran das gelegen hat, ob am Buchenwald oder dem einfachen Zugang für die Feuerwehr, kann ich nicht beantworten, aber es ist sehr deutlich zu erkennen. Nach zwei weiteren Spitzkehren ist der Gipfel des Großen Winterbergs erreicht. Früher hat es hier oben ein Restaurant, einen Biergarten, ein Hotel und einen Aussichtsturm gegeben. Leider gab es einen Streit zwischen dem Pächter und dem Land Sachsen und seitdem stehen die Gebäude ungenutzt auf dem höchsten Berg der Sächsischen Schweiz. Heutzutage gibt es knapp unterhalb der Gebäude immerhin noch einen Imbiss mit ein paar Sitzplätzen, der zwar nicht immer geöffnet ist, aber in den Hauptwanderzeiten doch zur Verfügung steht. Gleich gegenüber befindet sich die Nationalpark-Infostelle „Eishaus“, die immer einen kleinen Abstecher lohnt. Hier wird sehr nett über den Borkenkäfer informiert.

Die weitere Wanderung geht hinter dem Nationalparkhaus auf der blauen Wanderwegmarkierung blauer Strich vom Großen Winterberg herunter. Nach ca. 300 Metern erreicht man eine uralte Steinsäule und damit den Fremdenweg. Ihm folgt man nach links und schon bald fällt einem etwas Besonderes am Weg auf: Der Untergrund besteht auf einer ziemlich langen Strecke aus mehreren Stegen. Irgendwie verwundert mich das jedes Mal wieder, denn wer bis auf den Großen Winterberg hoch gekrochen ist und dann auf dem Fremdenweg weiter wandert, der sollte auch ein ordentliches Schuhwerk an haben, dem ein bisschen Matsch nichts ausmacht. verbrannter_Wald_Fremdenweg_kleinAls ich da lang gewandert bin, hatten ein Pärchen vor mir und auch ich ordentlich Probleme mit den feuchten und rutschigen Brettern. Also eher hinderlich als nützlich. Je weiter man aber nun den Weg hinunter kam, desto schlimmer sah der Wald auf der rechten Seite aus. Hier war es sehr eindeutig, dass das Feuer aus Tschechien kam und von dem Fichtenwald nichts mehr übrig gelassen hat. Ganz besonders gespenstisch sah der Wald bei meiner Wanderung durch den Nebel auf der nordöstlichen Seite des Winterbergs aus. In diesem Bereich hat die Natur so einiges zu tun, sich von den Borkenkäfern und dem daraus resultierenden Waldbrand zu erholen. Ich bin mal gespannt, welche Pflanzen zuerst wieder auftauchen. An der nächsten steinernen Wegsäule wird die Grenze ein kurzes Stück verlassen. neue_Absperrung_Fremdenweg_kleinHier fällt als erstes ein Besucherlenkungszaun auf und dann erreicht man eine etwas größere Fläche, die zu meiner Wanderzeit gleich mal ein Ranger als Parkplatz benutzt hat. Die Wanderung wechselt auf die Wanderwegmarkierung grüner Punkt grüner Punkt in Richtung Richterschlüchte/Zeughaus und schon wird man wieder von einem Besucherlenkungszaun davon abgehalten, geradeaus auf dem verführerisch breiten Weg weiter zu wandern. Eigentlich wollte ich nur den Holzzaun fotografieren, aber lustigerweise habe ich einen Ranger und zwei Wanderer, die wieder auf den rechten Weg zurück geführt wurden, durch den Nebel aufgenommen.

Auch für mich war der Fremdenweg in dem Bereich besonders interessant, aber mir war durch das abgestellte Rangerauto sofort klar, dass es diesmal nicht geradeaus weiter ging. Krinitzgrab_kleinDeshalb bin ich auf dem grün markierten Weg in die Richterschlüchte weiter gewandert. Hier oberhalb des Krinitzgrabes sah der Wald richtig schlimm und erschreckend aus. Der Wald ist auf einer großen Fläche bis tief in die Bäume abgebrannt. Da wirklich kein Baum stehen geblieben ist, sieht der Wald erschreckend aus. Genau hier haben ich dann auch einen Bekannten von den Stiegenfreunden getroffen und nach einem kurzen Gespräch über die weiteren Strecken hat er mich auf die Idee gebracht, anstatt der geplanten Strecke durch die Richterschlüchte den gerade wieder freigegebenen Goldsteig weiter zu wandern. Das hörte sich nach einer sehr guten Idee an und so bin ich die paar Meter am Krinitzgrab vorbei und dann bis zur Richtergrotte weiter abwärts gewandert.

Kurz dahinter biegt von dem markierten Wanderweg nach links der Goldsteig ab. Dieser ist als Bergpfad mit dem grünen Pfeil Bergpfad markiert, aber diese Kennzeichnung ist so unauffällig, dass man sie schnell übersehen kann. Der Goldsteig ist ein sehr netter Pfad, der sich immer am Felsfuß entlang schlängelt. Im Herbst 2022 konnte man deutlich erkennen, abgestuerzte_Wurzel_Goldsteig_kleindass beim großen Waldbrand an mehreren Stellen brennende Bäume von den Felsen obendrüber heruntergefallen sind und dann kleinere Bereiche am Goldsteig in Brand gesetzt haben. Zum Glück waren die Feuerwehren (z.B. die Altendorfer Feuerwehr) schnell genug, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern. Der Zugang in die Richterschlüchte war gar nicht so einfach, da bis zu dem Brand der untere Teil der Richterschlüchte noch mit extrem vielen umgefallenen Fichten blockiert war. Zum Glück stand gleich zum Beginn des Feuers ein Schreitbagger zur Verfügung, der relativ gefahrlos die Bäume entfernen konnte.

Nachdem man auf dem Goldsteig die Ruhe dieses Bergpfades genossen hat, erreicht man den Roßsteig. Er ist mit dem blauen Strich blauer Strich gekennzeichnet und man wandert nach links den Berg wieder hoch. Irgendwie erscheint mir dieser Aufstieg immer besonders nervig – vielleicht liegt es daran, dass der Weg manchmal wirklich hässlich glatt ist. Nur an den 81 Höhenmetern kann es eigentlich nicht liegen. Nachdem man oben angekommen ist, weist ein Schild nach links zur Goldsteinaussicht. Diesen schönen Platz sollte man sich nicht entgehen lassen. abgebrannter_Wald_Rosssteig_kleinDie Wanderung folgt dem Roßsteig weiter und schon bald kann man gut sehen, woher die brennenden Bäume, die zum Teil auf den Goldsteig gefallen sind, kamen. Je länger man auf dem Roßsteig wandert, desto schwärzer und abgebrannter ist der Wald. Sehr deutlich ist zu erkennen, dass die Bäume nicht durch das Feuer umgefallen sind, sondern vorher schon gefällt waren. Katzenstein_kleinOb das der Geschwindigkeit des Feuers geholfen hat, kann ich nicht sagen, aber auf jeden Fall lagen sie schon mal abseits des Waldweges und nicht kreuz und quer den Feuerwehrleuten im Weg. An der Stelle, an der der grüne Punkt quert, steht links vom Weg ein freistehender Felsen. Es handelt sich um den verbrannter_Buchenwald_kleinKatzenstein, bei dem man ganz gut die Silhouette eines Katzengesichts erkennen kann. Der Roßsteig geht nach rechts weiter und man folgt jetzt der grünen Wanderwegmarkierung grüner Punkt. Rechts vom Weg kann man gleich an mehreren Stellen Spuren des Waldbrandes sehen. Diese Stellen sehen wieder anders aus, da hier meistens Laubwald in Brand geraten ist.

Die Wanderung folgt weiter der grünen Markierung, der Name des Weges ändert sich zu Fremdenweg und dann geht es bald den Wurzelweg abwärts. Der Abstieg hinunter in den Schmilkaer Kessel erfolgt über einige unterschiedlichste Stufen und endet auf der bekannten Winterbergstraße. Natürlich könnte man hier ganz einfach hinunter in die Ortschaft wandern, aber das wäre zu einfach und deshalb geht es noch ein Stück weiter auf dem grünen Punkt. Die Forststraße führt am Elbleitenweg nochmal ein Stück aufwärts und nachdem es wieder schön geradeaus geht, wird der grüne Punkt verlassen und man biegt nach links auf den grünen Strich grüner Strich ab. Blick_von_der_Kleinen_Bastei_Schmilka_kleinAusgeschildert ist hier das nächste Ziel in Form der Kleinen Bastei bzw. darauffolgend Schmilka. Die Kleine Bastei ist eine wirklich schöne Aussicht in das Elbtal, hinüber auf die Tafelberge (besonders den Zirkelstein und die Kaiserkrone) und hinunter auf die Hirschmühle und den Hirschgrund. Die Wanderung steigt die Kahntilke abwärts und erreicht die B172. Die letzten paar Meter bis zum Parkplatz erfolgen auf dem Weg zwischen den Hotels und der Elbe.

Tja, die Wanderung war ein netter Bogen über den Großen Winterberg und hat zumindest mir einen guten Eindruck von den Verwüstungen des Waldbrandes gegeben. Ich bin mir persönlich sehr sicher, dass man den Waldbrand hätte gravierend eindämmen können, wenn nicht die Borkenkäferfichten überall noch herumgestanden bzw. gelegen hätten. So haben sich sehr viele Feuerwehren in extreme Gefahr begeben, um einen toten Wald zu retten. Aus meiner Sicht hätte man den Spruch des Nationalparks ernst nehmen sollen und die Natur Natur sein lassen. Wer so einen gewaltigen Mist durch verhauene und ignorierte Wege anstellt, der sollte sein Motto auch bei so einer Katastrophe weiter vertreten. Bis die Feuerwehren zu ihrem eigentlichen Einsatzort kamen, mussten z.B. erst einmal die Richterschlüchte, die Weberschlüchte, der Grenzweg und der untere Teil des Großen Zschands freigeschnitten werden. Sobald das Feuer gelöscht war, wurden vom Nationalpark die Wege am Grenzweg und dem Großen Zschand wieder gesperrt. So geht das aus meiner Sicht überhaupt nicht.

Ich bin sehr froh, dass die Feuerwehren mit so einem wahnsinnigen Einsatz das Feuer bekämpft haben und es dabei auch noch so glimpflich abgegangen ist. Ein dickes Dankeschön an die Feuerwehrleute und eine Aufforderung an den Nationalpark, über die Folgen des eigenen Handelns etwas stärker nachzudenken.

Download file: NATUR_NATUR_SEIN_LASSEN_AGZ.GPX


    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Schmilka Grenzübergang mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Schmilka Ortmitte
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 8,00€

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