Unangenehme Wanderung

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Karte:
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Dauer:
ca. 7,25 h
Entfernung:
ca. 31,00 km
Höhenunterschied:
ca. 813 Meter
beste Reisezeit:
nicht im Winter
Schwierigkeitsgrad:
sehr lang
viele Höhenmeter
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Große Karte der Sächsischen Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Kirtnitzschtal - Sturmbauers Eck - roter Strich - Kleinsteinhöhle - Saupsdorf - Wachberg - Dr.-Alfred-Meiche-Weg - Weifberg - Weifbergturm - Schäferräumicht - Folgenweg - gelber Strich - Bammelweg - Weißbachtal - Kirtnitzschtal - Im Loch - Niedermühle - roter Strich - Obere Schleuse - Wolfsschlucht - blauer Strich - Marienquelle - Niedere Schleuse - grüner Strich - Flügel E - Kirtnitzschtal - Buschmühle - roter Strich - Neuer Weg - Kirtnitzschtal - Sturmbauers Eck

Beschreibung:

Ich wollte mal wieder eine ordentlich lange Wanderung in der Sächsischen Schweiz unternehmen. Außerdem war ich schon lange nicht mehr im Weißbachtal und dem oberen Kirnitzschtal, weil mindestens schon seit einem Jahr von den vielen gesperrten Wegen in der Hinteren Sächsischen Schweiz berichtet wird. Da ich keine Lust hatte, mal wieder fünf oder mehr Euro Parkgebühr zu zahlen, habe ich den Startpunkt auf den Parkplatz Sturmbauers Eck gelegt. Von dort kommend, geht es nach links ein paar ganz wenige Meter auf der Kirnitzschtalstraße abwärts. Kleinsteinhoehle_kleinDann biegt nach rechts ein Waldweg in Richtung Kleinstein ab. Nach 300 Metern erreicht man die Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich, der nach rechts aufwärts gefolgt wird. Schon nach wenigen Metern kann man einen lohnenswerten Abstecher nach links zur Kleinsteinhöhle unternehmen. Dabei ist eigentlich das Wort Höhle überhaupt nicht passend für diesen Platz. Vielleicht wäre Felsentor besser, da man wie durch ein Fenster in besonders schöner Form in die Landschaft der Hinteren Sächsischen Schweiz blickt.

Der weitere Aufstieg erfolgt auf der roten Wanderwegmarkierung und führt an Aussicht_von_Kleinstein_kleingleich zwei weiteren Aussichten oberhalb des Kleinsteins vorbei. Hinter der letzten Aussicht nimmt die Steigung ab und man wandert sehr angenehm in Richtung Saupsdorf. Zu meiner Wanderzeit (Herbst 2021) lagen hier die ersten Bäume kreuz und quer, aber was sind denn schon zehn Bäume, die man mal drüber oder drunter her passieren muss. Also ging es weiter in Richtung Saupsdorf und zwischendurch passiert man auch noch sehr nette Aussichten auf Saupsdorf und den Blick_ueber_Saupsdorf_kleindarüber liegenden Wachberg. Die Hauptstraße in Saupsdorf (Sebnitzer Straße) erreicht man am großen Parkplatz. Man folgt der roten Wanderwegmarkierung auch hier und biegt nach rechts und dann gleich wieder nach links ab. Die nächsten paar Meter (ca. 300 Meter) sind auch gleichzeitig die Zufahrt zum Wachberg, aber die Wanderung soll weiter auf der roten Markierung verlaufen und so geht es auf einem kleineren Weg aufwärts. Spielplatz_Wachbergbaude_kleinDer Aufstieg vom Parkplatz in Saupsdorf bis hoch zum Wachberg überwindet 150 Höhenmeter, aber dafür könnte man hier oben schon mal den Flüssigkeitshaushalt ausgleichen. Es ist zu schön zu sehen, welche Mühe sich der Besitzer der Wachbergbaude Rastplatz_Wachbergbaude_kleingibt. Vor der Terrasse ist ein sehr liebevoll gestalteter Kinderspielplatz mit einigen Hütten und daneben eine sehr bequeme Bank, die einen ganz gemein festhält und am Weiterwandern hindert. Sehr nett sehen auch die vielen Holzfiguren aus.

Da die Wanderung aber noch sehr viele Kilometer vor sich hat, empfiehlt es sich, nicht zu lange zu verweilen und gleich hinter der Wachbergbaude dem roten Strich weiter zu folgen. Der Wanderweg führt knapp neben der Weifbergturm_kleinTschechischen Grenze ein bisschen hoch und runter und erreicht nach 2 ½ Kilometern den Weifberg. Sehr schön ist, dass der Turm vor kurzem saniert worden ist und jetzt ein paar interessante Tafeln in den Zwischenetagen den Aufstieg abwechslungsreicher machen. Von dem Aussichtturm hat man eine sehr schöne Panoramasicht in wirklich alle Himmelsrichtungen. Sehr bemerkenswert ist der Aufenthalt bei leichtem Wind, da ein Holzturm immer elastisch ist und sich im Wind verbiegt. Das ist aber ganz ähnlich wie bei Bäumen, auch sie halten einer extremen Auslenkung stand. Natürlich sollte man sich nicht bei Sturm auf den Weifbergturm begeben, aber das merkt man schnell selber.

Die Wanderung folgt noch das letzte Stück der roten Wanderwegmarkierung auf der gegenüberliegenden Seite vom Weifberg herunter und dann hinein in einen ungewöhnlich ruhigen Wald. Gleich am Waldrand befindet sich links des Weges ein Gebäudekomplex, der früher eine nette Gaststätte namens Schäferräumicht war. Heutzutage ist es anscheinend nur noch ein abseits gelegenes Wohnhaus. Zur Wanderung ist die Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich hinzugestoßen und genau auf dieser geht es in Richtung Grenze weiter. Weissbach_kleinSpätestens nachdem die Wanderung am Bachlauf des Weißbaches angekommen ist, empfinde ich den Wanderweg als einen der schönen Pfade in der Sächsischen Schweiz. Es ist kein Weg mit gigantischen Aussichten, aber dafür wunderbar ruhig und mit vielen Felsen links und rechts des Bachs. Obwohl ich bei herrlichstem Bereich_der_Bootsfahrt_kleinWanderwetter unterwegs war, habe ich im Weißbachtal und dem darauffolgendem Kirnitzschtal nur zehn Wanderer und nochmal sechs bei einer Rast angetroffen. Nur an den beiden Bootsstationen waren noch einige Leute, aber seltsamerweise sind sie mir sonst nirgendwo am Bachlauf begegnet.

Ab der Oberen Schleuse wechselt die Wanderwegmarkierung auf den blauen Strich blauer Strich und man wandert weiter in der Kirnitzschklamm. Knapp hinter der Staumauer hing neben dem Pfad irgend so ein Schild vom Nationalpark über die Gefahr der morschen Bäume. Da so ziemlich an jedem Eingang in den Nationalpark und auch noch an sehr vielen Stellen im Park solche Schilder aufgestellt wurden, habe ich es getrost ignoriert. Das war eine doofe Idee, denn auf der Strecke bin zum Grenzübergang Hinterdittersbach bin ich mindestens über 20 umgefallene Bäume Wolfsschlucht_kleindrüber oder drunter her gekrabbelt. Den Spuren nach zu urteilen haben das vor mir auch schon große Mengen Wanderer gemacht, da ich nie der erste war, der sich den Weg bahnen musste. Ich würde schätzen, es müssten schon so einige dutzend oder sogar hunderte Wanderer gewesen sein. Ab dem Grenzübergang Hinterdittersbach ist der Weg an der Kirnitzsch ein Wanderweg, der an mehreren Stellen sogar mit einer Art Asphalt ausgestattet ist. Faulyquelle_kleinHier waren in der Woche vor meiner Wanderung die Waldarbeiter dran und haben einige Bäume vom Weg entfernt und an den Seiten gesichert. Perfekt, damit war dieses Teilstück zügig durchwandert. Zwischendurch passiert die Wanderung die Marienquelle und die Untere Schleuse. Staumauer_Niedere_Schleuse_kleinIm Moment kann man sehr froh sein, dass die leere Untere Schleuse vorhanden ist, da ziemlich viele abgestorbene Bäume im Bachlauf oberhalb der Schleuse liegen. Wenn diese Bäume nicht auf irgendeinem Weg aufgehalten werden, dann wird es bald wieder eine Katastrophe wie bei dem Hochwasser im August 2010 geben.

Etwas mehr als zwei Kilometer hinter der Niederen Schleuse kreuzt der Malerweg. Irgendwie hatte ich in der lokalen Presse gelesen, dass die Forstleute/der Nationalpark den Malerweg in der Hinteren Sächsischen Schweiz freigeschnitten hätten. Da auf dem Malerweg wirklich viele Wanderer unterwegs sind, erschien mir das sehr schlüssig und so dachte ich mir, den Weg nach links (grüne Wanderwegmarkierung grüner Strich oder auch das Malerwegsymbol) hoch zu steigen. Tja, außer dass ich dieses Miniteilstück noch nie besonders gemocht habe, weil es steil nach oben geht, waren jetzt noch so einige Bäume blöde über den Weg gefallen. Ich würde schätzen, dass es mindestens zehn Stellen waren und den Trampelspuren nach zu urteilen liegen die Bäume schon lange hier. Na ja, nach 400 Metern und 75 Höhenmetern wird der Flügel E erreicht. Wer noch ein bisschen Zeit hat, der sollte einen Abstecher zum Großen Teichstein (plus 1 Kilometer für Hin- und Rückweg zusammen) unternehmen. Die Aussicht von der Spitze des Teichsteins ist wirklich schön und meistens sind nur wenige andere Besucher dort. Egal ob man den Abstecher unternimmt oder nicht, die Wanderung geht in nördliche Richtung (Wegweiser Buschmühle) weiter. Wegsperrung_Fluegel-E_kleinDieser Forstweg wird Flügel E genannt und ist ein gut ausgebauter Waldweg, der sehr häufig von den Forstleuten genutzt wird. Sehr erschreckend sahen zu meinem Wanderzeitpunkt einige Bäume aus. Diese Bäume standen extrem schräg neben oder oberhalb der Forststraße und irgendwie habe ich bei dem kleinsten Windstoß Angst gehabt, dass diese instabilen Gesellen auf den Weg krachen. Der Flügel E ist eigentlich eine Ausweichstrecke auch für Wanderer, da im Moment der Große Zschand gesperrt ist. Aus meiner Sicht darf dann aber keine Fichte über den Weg hängen und sich an einer anderen Fichte auf der gegenüberliegenden Seite abstützen. Genauso sollten sich dicht neben dem Weg keine angeknickten Fichten, die aber immer noch auf ihrer Bruchstelle stehen, befinden. Die typische Ausrede des Nationalparks, dass es zu gefährlich für die Forstarbeiter ist, dort Bäume zu fällen, gilt nicht, denn der Flügel E ist so perfekt ausgebaut, dass man die Bäume mit jeglichem Gerät umlegen könnte. Ich habe mich dort sehr unwohl gefühlt und das ist alles noch vor den ersten Herbststürmen gewesen. Buschmuehle_im_Kirnitzschtal_kleinAn der Stelle war ich sehr froh, als es dann runter zur Buschmühle ging, da ich mich dort wieder sicher fühlte. Natürlich war ich an der Buschmühle und der Kirnitzschtalstraße sicher, aber leider hatte ich unterschätzt, dass das letzte Teilstück unterhalb des Arnsteins zwar auf dem Malerweg entlang führt, aber auch hier der Fichtenwald abgestorben ist. Dafür wandert man ein paar wenige Meter (100 Meter) auf der Kirnitzschtalstraße aufwärts. Hinter der Auffahrt nach Ottendorf führt ein unscheinbarer Pfad mit der roten Wanderwegmarkierung roter Strich und dem Malerwegsymbol in Richtung Arnstein. Der Pfad verläuft ein paar hundert Meter aufwärts und biegt dann im spitzen Winkel nach rechts ab. Eigentlich ist das ein sehr angenehmer Waldweg, der auf ziemlich gleichbleibender Höhe durch den Wald geht. freie_Sicht_auf_Kirnitzschtalstrasse_kleinAuf der rechten Wegseite sind an vielen Stellen die Bäume schon komplett gefällt und damit tauchen Ausblicke auf, die vorher durch den Wald verdeckt waren. Auf der linken Wegseite befindet sich noch ein normaler Wald bzw. so einige Borkenkäferbäume. Auch ohne Sturm waren einige Bäume kreuz und quer auf den Waldweg gefallen und die letzten Kilometer bis zum Ausgangspunkt der Wanderung waren nochmal ein Hindernislauf.

Ich bin sehr irritiert, dass selbst der wichtigste Wanderweg (Malerweg) der Sächsischen Schweiz nicht gründlich freigeschnitten ist und viele Bäume gefährlich über den Weg hängen. Es ist wirklich verwunderlich, dass bis heute noch kein Wanderer erschlagen wurde. Man denkt „Ich wandere mit aufmerksamen Ohren durch den Wald und werde es schon erahnen und rechtzeitig mitbekommen, wenn ein Baum fällt.“ Spätestens aber, wenn man gerade unter einem oder mehreren quer liegenden Bäumen drunter her kriecht, dann hat man keine Chance mehr, schnell genug wegzukommen. Genau dieser Punkt hat mir die Wanderung ganz schön vermiest. Geschätzt bin ich auf den 31 Kilometern über oder unter 100 Bäumen her gekrabbelt und damit macht eine Wanderung überhaupt keinen Spaß mehr. Ich empfand die Wanderung als sehr unangenehm und kann für die nächsten Jahre keinem mehr einen Aufenthalt im hinteren Teil der Hinteren Sächsischen Schweiz empfehlen.

Download file: UNANGENEHME_WANDERUNG_AGZ.GPX


    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Kirnitzschtal Sturmbauers Eck mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Sturmbauers Eck

2 Gedanken zu „Unangenehme Wanderung“

  1. Hallo Herr Geier,
    ich bin ja schon ein paar Jahre (virtuell) mit Ihnen unterwegs und habe Sie bislang nicht für lebensmüde gehalten. Und ich weiß auch, dass Sie mit der Nationalparkverwaltung auf Kriegsfuß stehen, aber wenn Betretungsverbote ausgeschildert sind, dann sollte man sich daran halten und nicht noch damit prahlen, diese ignoriert zu haben.
    Tut mir leid, aber dafür fehlt mir jedes Verständnis.

    Also bleiben Sie gesund!
    M.Wober

  2. Von Prahlerei ist hier nichts zu lesen. Ich sehe das eher als trauriger Zustandsbericht. Es wurden die portentiellen Gefahren dieser Wanderung beschrieben und auch nicht zur Nachahmung aufgefördert. Da möge doch bitte jeder sich seine jeder Gedanken machen ob er das nachwandern möchte. So viel Grips kann man doch von einem Leser erwarten. Durch die völlig verfehlte Waldumbau Planung des Nationlaparks sind viele Bereiche nicht oder nur noch schwer zugänglich. Dort wachsen zum großen Teil übrigens wieder Fichten nach und der „Wald“ ist weitgehend Tot. Welche Natur soll da eigentlich geschützt werden? Das ist doch eine völlig verklärte Bambi Romantik um das Ökogewissen zu beruhigen.

    Wenn Sie da nicht wandern wollen – lassen Sie es doch einfach.

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