Richterschlüchte

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivnegativnegativnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 3,00 h
Entfernung:
ca. 11,50 km
Höhenunterschied:
ca. 346 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
leicht
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Kleiner Zschand;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Kirtnitzschtal - Neumannmühle - Flößersteig - Felsenmühle - Kleiner Zschand - grüner Strich - Schwarzpulverkammer - Quenenwiesen - Quenengrund - Heringsloch - Roßsteig - grüner Punkt - Katzenstein - Krinitzgrab - Richterschlüchte - Richtergrotte - Großer Zschand - Zeughaus - gelber Strich - Flügel E - Buschmüllers Räumicht - Hohlfelders Graben - Buschmühle - Kirtnitzschtal - Neumannmühle

Beschreibung:

Bei dieser Beschreibung handelt es sich weniger um eine Wanderempfehlung, sondern eher um einen Erfahrungsbericht. Ich rate nachdrücklich davon ab, diese Strecke zur Zeit nachzuwandern. 95 % der Wanderung waren sehr schön und haben viel Spaß gemacht, aber es gab auch ein zwar kurzes Stück, das jedoch absolut nicht empfehlenswert war. Aber dazu später.

Der Startpunkt liegt im Kirnitzschtal an der Neumannmühle. Von hier geht es bachabwärts bis zur Felsenmühle. Dazu kann man über den Flößersteig auf der linken Bachseite oder auf der Straße wandern. Wir haben diesmal die Straße gewählt, da das Kirnitzschtal zu unserem Wanderzeitpunkt gesperrt war und nur ganz wenige Autos unterwegs waren. Nachdem man die Gaststätte Felsenmühle erreicht hat, geht es nach links in den Kleinen Zschand hinein. Der breite Forstweg ist mit dem grünen Strich grüner Strich markiert. Wir haben uns sehr über die Ausschilderung schon unten im Kirnitzschtal gewundert. Blöderweise hat sich keiner von uns so richtig den Text von den Schildern gemerkt, aber irgendetwas wie: Nur Berechtigte dürfen dort hoch fahren. Die Forststraße hinauf in den Kleinen Zschand ist die Umleitung für den Großen Zschand und das einzige Ziel das Zeughaus. Sehr seltsam ist, dass dafür so viele Schilder aufgestellt werden, denn die Gaststätte ist seit vielen Monaten geschlossen und die Ranger sollten schon wissen, wie sie zu ihrem Stützpunkt kommen.

Die Wanderung führt immer weiter in den Kleinen Zschand hinein. Schwarzpulverkammer_Kleiner_Zschand_kleinNach ziemlich genau einem Kilometer passiert man eine der uralten Schwarzpulverkammern auf der rechten Wegseite. Wenn man sich den in den Felsen gemeißelten Raum anschaut, dann sieht man auch das eigentliche kleine Fach, in dem das Schwarzpulver gelagert wurde. Der Sprengstoff ist früher zum Freilegen der Wurzeln von gefällten Bäumen benutzt worden. Inschrift_Glaser_1852_klein300 Meter hinter der Kammer biegt man nach links in den Quenengrund ab. Die Wanderung ist weiterhin mit dem grünen Strich markiert. Genauso wie im Kleinen Zschand ist die Steigung noch sehr angenehm und fällt fast nicht auf. Erst ganz kurz vor den Sandsteinfelsen nimmt die Steigung zu, Aufstieg_Heringsloch_kleinaber dafür sieht das Tal richtig toll aus und man kann von unten nur sehr schwer den Pfad aufwärts erahnen. Das hört sich aber schlimmer an, als es in der Realität ist und der Weg aufwärts ist einfach nur schön abwechslungsreich. Der obere Teil der Schlucht heißt Heringsloch und endet auf dem Roßsteig. Hier wird die Wanderwegmarkierung grüner Strich verlassen und es geht nach links auf der Markierung grüner Punkt grüner Punkt weiter. Nach etwas weniger als einem Kilometer passiert man einen freistehenden Felsen. Katzstein_kleinDabei handelt es sich um den Katzenstein, bei dem man (mit etwas Phantasie) tatsächlich die Kontur eines Katzenkopfes erkennen kann. Der grün markierte Wanderweg führt zum Anfang leicht abfallend in die Richterschlüchte ab. Nachdem man die erste Felsnase umrundet hat, kann man neben dem Pfad den Grabstein von Gotthard Krinitz entdecken. Krinitz_Grabstein_Richterschluechte_kleinDie Inschrift auf dem Grabstein ist: Hier ruht in Gott unser unvergesslich lieber Sohn u. Bruder, der strebsame, hoffnungsvolle Schüler v. d. Köngl. Gewerbe-Akademie z. Chemnitz, Gotthard Krinitz, geb. d. 13. Oktbr. 1888 i. Frankenberg i./Sa., am 1. Aug. 1908 an seiner Begräbnisstätte beraubt, im Unglück verschieden. Gott mit Schmerz zurückgegeben was er uns zur Freude gab! Wer noch ein paar Hintergründe zu dem Grabstein erfahren möchte, sollte sich die Beschreibung bei Wikipedia anschauen. Es ist wirklich interessant.

Kurz hinter dem Grabstein beginnt der Abstieg in die Richterschlüchte. Nach wenigen Metern sieht man nach rechts einen Pfad in Richtung der Felswand. Richtergrotte_kleinDort befindet sich die Richtergrotte. In dieser Grotte tropft zu wirklich jeder Jahreszeit ein Rinnsal aus luftiger Höhe herunter. Wenn der Winter kalt genug ist, dann bildet sich hier von unten nach oben ein Eiszapfen. Wir haben uns die Stelle schon mehrmals angesehen und der Eiszapfen sah immer aus wie ein riesiger Tannenzapfen. Dass der Eiszapfen von oben und von unten zusammenwächst, haben wir noch nicht gesehen. Vielleicht ist es zu hoch und der obere Zapfen bricht vorher ab oder der untere fällt zur Seite. Oder die Winter sind nicht mehr kalt und lang genug.

Die Wanderung geht weiter die Richterschlüchte abwärts. Nach ein paar Metern biegt nach links der Bergpfad Goldsteig ab. Der Weg geradeaus nach unten war mit einem Flatterband versperrt. Anfang_des_Hindernislaufes_kleinDiesen Hinweis haben wir getrost ignoriert, da die Schlucht dahinter sehr gut aussah. Erst nach einem Kilometer Abstieg konnte man überhaupt etwas von dem Grund der Absperrung erkennen. Hier waren über die komplette Schlucht alle Fichten abgestorben, aber es lagen nur ein paar wenige quer auf dem Weg. Da es windstill war, haben wir uns weiter den Weg abwärts getraut. unpassierbare_Richterschlucht_kleinJe weiter wir aber abwärts gingen, desto mehr Bäume versperrten den Weg. Auf den letzten 300 Metern lagen dann so viele Fichten im Wege, teilweise sogar mehrere kreuz und quer übereinander und das im Abstand von wenigen Metern, dass sich die Wanderung zu einer Kletterpartie entwickelte. Fichtenmikado_kleinSpätestens hier war es mir bei dieser Strecke überhaupt nicht mehr wohl, da man, selbst wenn man vielleicht einen umstürzenden Baum noch hören würde, keine Chance zu einer Flucht hätte. Wir waren alle froh, als wir unbeschadet auf dem breiten Weg im Großen Zschand ankamen. Jetzt wissen wir, was der Nationalpark mit dem Ausdruck „unpassierbar“ meint.

Für die weitere Wanderung geht es den Großen Zschand weiter abwärts (also nach links). Schon bald, nach ca. 1 km, erreicht man die Gaststätte Zeughaus und die Nationalparkinformationsstelle. Zur Zeit (Corona) sind beide Häuser geschlossen und so geht es weiter abwärts. Ab dem Zeughaus wechselt man auf die Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich. Vor der Borkenkäferinvasion wäre man einfach der Forststraße bis hinunter zur Neumannmühle gefolgt. Jetzt sind aber in dem unteren, engen Teil des Großen Zschand die Fichten hoch oben über der Forststraße abgestorben und können jeden Moment herunterfallen. gesperrter_Grosser_Zschand_kleinDabei handelt es sich aber um wirklich ganz wenige Bäume und der Nationalpark weigert sich, diese zu fällen, da man dann womöglich seltene Biotope zerstören würde. Ich finde das Argument vollkommen seltsam, da das gleiche, nämlich dass die Bäume in die Schlucht fallen und dort geschützte Pflanzen zerstören, ohne Eingriff des Menschen auch passiert. Außerdem vermute ich, dass sich diese besonderen Pflanzen sowieso nach dem Verschwinden der Fichten aus der Schlucht verdrücken werden. Aber vielleicht ist diese erste Hürde, wenn man von unten kommt, auch aus einem ganz anderen Grund beabsichtigt: Damit werden so einige Wanderer schon am Startpunkt behindert und man entdeckt das Chaos im oberen Teil des Großen Zschands nicht. Aus meiner Sicht hat es sich der Nationalpark zu einfach mit der Sperrung gemacht und viel zu spät an seine Aufgabe gedacht. (§4 Abs.2 der Nationalparkordnung: Der Nationalpark ist der Allgemeinheit zur Erholung und zum Naturerleben zugänglich, soweit dies dem Schutzzweck nach §3 Abs.2 nicht widerspricht. Den historisch gewachsenen Nutzungen und Interessen der Wanderer, Bergsteiger und des Tourismus ist bei der Anlage und Unterhaltung von Erschließungseinrichtungen und bei allen Planungen und Maßnahmen für das Schutzgebiet angemessen Rechnung zu tragen.)

Um dann doch irgendwie zum Ausgangspunkt der Wanderung zu kommen, geht es vor den Sperrschildern nach rechts auf dem Flügel E aufwärts. Buschmuehle_Kirnitzschtal_kleinNach 400 Metern, vom Gefühl her schon fast ganz oben, biegt nach links ein gut sichtbarer Waldweg ab. Er führt auf eine Wildwiese mit Wetterstation und einer großen Scheune. Links neben der Scheune führt ein Pfad in den Hohlfelder Graben. Wenn man den abwärts steigt, gelangt man zur Buschmühle. Die letzten paar Meter erfolgen nach links auf der Kirnitzschtalstraße.

Wie man dem Text entnehmen kann, können wir die Wanderung im Moment überhaupt nicht empfehlen. Durch die extrem vielen umgefallenen, aber auch die noch stehenden Fichten ist ein Wandern durch das gesamte, obere Gebiet des Großen Zschand und die Waldregion zwischen Hinterhermsdorf und der Grenze unmöglich.

Download file: RICHTERSCHLUECHTE_AGZ.GPX


    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Kirnitzschtal Neumannmühle mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Neumannmühle
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 5,00 €

2 Gedanken zu „Richterschlüchte“

  1. Man sollte an der Stelle noch erwähnen das die Richterschlüchte momentan vorrübergehend unpassierbar sind. Wegen Borkenkäferbefall und die Gefahr umstürzender Bäume sollte man auf das begehen dieser Wege zur eigenen Sicherheit verzichten.

    1. Hat Ingo doch auch ausführlich so beschrieben.

      Schade ist eines meiner Lieblings-Wandergebiete und es ist sehr fraglich ob man hier jemals wieder gehen kann. Den Luchstein mag ich besonders für den Pfad dorthin sieht es schlecht aus.

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