Belvedere

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 4,00 h
Entfernung:
ca. 13,00 km
Höhenunterschied:
ca. 364 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Böhmische Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Elbetal - Dürrkamnitzschlucht - roter Strich - Elbleiten - Belvedere - Allee - Arnsdorf - blauer Strich - Dürrkamnitzschlucht - Elbe

Beschreibung:

Nachdem uns die Runde am Rosenkamm sehr gut gefallen hat, sollte jetzt noch eine Wanderung oberhalb der Böhmischen Elbe stattfinden. Die Grundidee zu dieser Wanderung ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern eine Wanderempfehlung von Dr. Rölke (www.bergverlag-roelke.de). Diese Wanderung ist im Wander- und Naturführer Böhmische Schweiz von Dr. Rölke enthalten. Was uns als erstes bei der Beschreibung von Hr. Rölke verwundert hatte, war, dass er den Startpunkt auf einen Miniparkplatz hinter der Ortschaft Hřensko (Herrnskretschen) gelegt hatte. Uns hatte es verwirrt, dass man erst von dem Elbetal durch eine Klamm hochsteigen soll. Aber wenn man die Runde gewandert ist, dann versteht man warum.
Also wie schon gesagt, ist der Startpunkt 700 Meter hinter dem Ortsausgang von Hřensko (Herrnskretschen). In den Karten von Dr. Böhm ist an dem Ende der wilden Dürrkamnitzschlucht eine Gaststätte eingezeichnet. Duerrkamnitzschlucht_kleinDas ist sehr nett gemeint, weil eigentlich müsste eher eine rote Laterne dort eingezeichnet sein. Der Parkplatz fasst nur 5 – 7 Autos, aber wenn ich das richtig gesehen habe, dann kann man auch auf der Straßenseite zur Elbe sein Auto abstellen. Der Aufstieg durch die wilde Dürrkamnitzschlucht ist mit dem roten Strich roter Strich markiert. Nach wenigen Metern durch die Schlucht weiß man, warum Dr. Rölke diesen Weg gewählt hat. Dies ist eine der ganz besonders schönen Schluchten der Sächsischen bzw. hier der Böhmischen Schweiz. Links und rechts des Weges stehen sehr abwechslungsreiche Felswände und es ist immer wieder verwunderlich, wie der Minibach Namens Suchá Kamenice (Dürrkamnitz) solch eine Schlucht fräsen kann. Gleich im unteren Teil liegen riesige Felsmurmeln, die irgendwie von größeren Wassermassen hier runter transportiert worden sind, so dass man anscheinend in anderen Größenordnungen als dieses Rinnsal denken muss. Wenn man von unten aus Bunker_Duerrkamnitzschlucht_von_unten_kleindem Elbetal die Schlucht hoch wandert, dann muss man schon die Augen gut aufmachen, um auf der linken Seite den Bunker_Duerrkamnitzschlucht_von_oben_kleinBunker zu sehen. Am Hang im unteren Teil der Schlucht steht ein kleinerer Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Da dieser Bunker aber ausreichend stabil gebaut worden ist, wird er vermutlich viel länger stehen bleiben als die zwei Mühlen, die in der Schlucht früher gestanden haben. Heutzutage kann man nur noch das Stauwehr im Bachlauf entdecken. Faszinierend finde ich, mit was für riesigen Blöcken man das Ding gebaut hat und dass diese Felsklötze selbst in den letzten 100 Jahren weggespült wurden. Wenn man dann weiter dem Bach entgegen wandert, kommt man an einer steinernen Steinere_Bank_Duerrkamnitzschlucht_kleinBank am rechten Felsen vorbei. Diese in den Felsen geschlagene Bank hängt heute in reichlich einem Meter Höhe. Wir gehen davon aus, dass die Bank früher auf Bodenniveau gestanden hat, und da oberhalb die Jahreszahlen 1848-1908 eingeschlagen sind, so kann man gut sehen, dass innerhalb von einem Jahrhundert das Bachtal um einen Meter abgetragen worden ist. Der Aufstieg geht weiterhin durch das wildromantische Tal. Nach ungefähr 1,7 Kilometern biegt der rot markierte Weg nach rechts in die Richtung Belveder ab. Der Waldweg ist im Winter 2006/2007 grundlegend überarbeitet worden. Im Frühjahr 2007 sah er noch ziemlich zerwühlt aus. Aber das richtet die Natur schon wieder. Nach noch einem kleineren Stück den Hang hoch, erreicht man die Ortschaft Labská Stráň (Elbleiten). Hier hat man das erste Mal einen erstklassigen Ausblick zu den Felsen des Prebischtors. Wenn so einigermaßen schönes Wetter bzw. Sicht ist, dann kann man auch das rote Dach der Gaststätte am Prebischtor als Anhaltspunkt in der Felswand finden. Wenn man hinweg über das ganze Elbetal blickt, sieht man den anscheinend kleinen Zirkelstein. Die Wanderung geht quer durch die Ortschaft auf der roten Markierung entlang und vom Ortsausgang bis zum Namensgeber der Wanderung ist es dann nur noch ½ Kilometer. Vom Fels aus sieht man schon die Gaststätte Belvedér.
Panorama_Belveder_klein
Die Aussicht ist im 18. Jahrhundert vom Fürst Franz-Karl Clary-Aldringen angelegt worden. Damals ist die Aussicht auch für Theateraufführungen genutzt worden. Deshalb befindet sich auch diese Belvedere_Felsnische_kleinNische an der Felswand und die ungewöhnliche Stufenanordnung an der Ebene. Gleich neben der Aussicht befindet sich eine größere Gaststätte mit einer schönen großen Belvedere_Aussichtsplattform_kleinBelvedere_Aussicht_kleinTerrasse. Die Gaststätte ist bei Deutschen sehr beliebt, da man auch mit dem Auto bis an die Aussicht bzw. Gaststätte fahren kann und die Preise in einem sehr angenehmen Rahmen liegen. Zwischen der Aussicht und dem ehemaligen Schloss Binsdorf (leider 1790 abgebrannt) gibt es eine schnurgerade ehemalige_Allee_Schloss_Binsdorf_kleinAllee, auf der die Wanderung weiter verläuft. Eigentlich stimmt die Bezeichnung schnurgerade nicht ganz, da die Strecke nur auf der Wanderkarte schnurgerade ist. In der Realität geht es kurz hinter der Aussicht Belvedere einen Hügel hoch und damit bekommt die Schnur einen Höhenkomponente. Durch diesen Hügel bietet sich aber nochmal eine super Panoramaaussicht an. Nachdem man fast bis zur Spitze des Hügels hoch gewandert ist, sollte man sich umdrehen und den Blick in die Landschaft genießen.
Panorama_Elbleiten_klein
Der Weg ist sehr angenehm zu gehen. Ein bisschen komisch sind die bearbeiteten Felsbrocken links und rechts des Weges. Es sind Klötze, die so ungefähr alle 50 Meter aufrecht in der Erde gesteckt haben. Heutzutage fehlen ein paar oder sind umgestürzt, aber trotzdem kann man deutlich den alten Zustand sehen. Vom Ortsausgang Labská Stráň (Elbleiten) geht es 1,6 Kilometer auf der ehemaligen Allee entlang. Ich weiß, dass es für Wanderer ohne Navigationssystem bzw. irgendeinem anderem Wegmesser schwierig ist, 1,6 Kilometer abzuschätzen, aber irgendwie bietet sich kein besseres Erkennungszeichen an. Vielleicht hilft es, dass ein durchschnittlicher Wanderer die Stelle nach ca. 20 Minuten erreicht haben sollte. An der Stelle verlässt man auf jeden Fall den markierten Weg nach links. Der Weg biegt im spitzen Winkel ab. Nach kurzer Strecke gabelt sich der Weg noch mal und es geht nach rechts weiter, bis an den Waldrand. Genau am Waldrand biegt nach rechts der so genannte Arnsdorfer Panoramaweg ab. Im Winter 2006/2007 ist der Weg vollständig untergepflügt worden, aber schon im Frühjahr 2007 sind so viele Traktoren über den Feldrand gefahren, dass es auch für Wanderer kein Problem mehr ist, auf den Traktorspuren bis Arnoltice (Arnsdorf) zu finden. Ganz witzig sieht der Blick nach Arnoltice (Arnsdorf) zum Anfang aus. Kirche_Arnsdorf_kleinBlick_vom_Panoramaweg_Kirche_Arnsdorf-Rosenberg_kleinDa die Ortschaft in einer Senke liegt, kann man erst nur den leuchtend weißen Kirchturm sehen. Auf die Kirche steuert man auch die ganze Zeit drauf zu. Leider ist es wie mit sehr vielen Kirchen in Tschechien so, dass je näher man kommt, desto schlimmer sieht sie aus. Auch der Kirchengemeinde von Arnoltice (Arnsdorf) fehlt das nötige Geld, um diese riesige Kirche zu erhalten, und so sind die Standbilder zerfallen, der Putz in großen Teilen abgeblättert und das Dach hat im Kirchenschiff ein Loch. Aber vermutlich ist das auch kein Wunder, da sich die Bewohnerzahl der Gemeinde Arnoltice (Arnsdorf) innerhalb von 45 Jahren (von 1961 zu 2006) um 75 % (von 896 Bewohner auf 224) reduziert hat.
Auf der rechten Seite der Kirche (von vorne gesehen) geht die Wanderung auf dem blau markierten Weg blauer Strich weiter. Zuerst geht es noch ein Stück durch die Ortschaft, aber schon nach ½ Kilometer erreicht man die ersten Ausläufer des Baches Suchá Kamenice (Dürrkamnitz). Der blau markierte Weg führt durch den oberen Teil der Dürrkamnitzschlucht und endet genau an der Stelle, an der man mit der roten Markierung aus der Schlucht in Richtung Belvedere abgebogen ist. Die Schlucht wird anscheinend sehr häufig zum Freiübernachten benutzt. Ich habe noch nie auf so kurzer Strecke solche Mengen Boofen gesehen. Auf einer Strecke von einem Kilometer sind mindestens drei ordentlich eingerichtete Boofen am Bachlauf zu sehen. Die letzten Meter der Wanderung gehen jetzt auf der roten Markierung roter Strich den schon bekannten Weg durch die Schlucht wieder hinunter.
Damit ist eine sehr schöne Wanderung zu Ende gegangen, die gleich mehrere schöne Aussichtpunkte geboten hat, eine Stückchen Historie gezeigt hat, zu allein Zeiten angenehm ruhig war und eine beeindruckende Schlucht beinhaltete.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit S-Bahn bis zur Haltestelle Böhmen / Schöna mit dem VVO-Navigator und dann weiter mit dem Tschechischen Navigator (jizdnirady.idnes.cz).
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Dürrkamnitz

Ein Gedanke zu „Belvedere“

  1. Wieder eine sehr nette Beschreibung. Inzwischen ist das Dach der Kirche von Arnoltice repariert, der Panoramaweg ist jetzt grasbewachsen.

    April 2017

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