Gratweg Thorwalder Wände

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 5,00 h
Entfernung:
ca. 16,00 km
Höhenunterschied:
ca. 740 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
nicht im Winter
Schwierigkeitsgrad:
lang
Kletterabschnitte
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
Klettern
empfohlene Karten:
Großer Zschand;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Kirnitzschtal - Neumannmühle - Großen Zschand - gelber Strich - Zeughaus - roter Strich - Zeichengrund - Grenze - Thorwalder Wände - Gratweg - Reitsteig - grüner Strich - Großen Teichstein - Flügel E - Hohlfelds Graben - Kirnitzschtal - Buschmühle - gelber Strich - Neumannmühle

Beschreibung:

Als erstes die zwei wichtigsten Punkte: Bei dieser Runde sollte man sich bewusst sein, dass man mit dem Gratweg in der Kernzone herumwandert und dies womöglich nicht ganz legal ist. Natürlich würde ich mich auf keinen Streit mit einem Nationalparkranger einlassen, aber aus meiner Sicht ist dieser Pfad ein kulturhistorischer Weg, der mindestens 150 Jahre früher als der Nationalpark da war. Auf unserer Webseite steht zwar, dass die Wanderung von mir mit nur 2 Sternen eingestuft worden ist, das soll aber nur verhindern, dass auf einmal Horden an Wanderern auf der Runde unterwegs sind. Eigentlich hat mir die Wanderung so viel Spaß gemacht, dass es 4 oder sogar 5 Sterne sein müssten. Von dem Weg auf den Thorwalder Wänden habe ich auf zwei unterschiedlichen Webseiten gelesen. Irgendwie konnte ich mir aber kaum vorstellen, dass es dort einen Weg gibt, da auf der Karte Großer Zschand von Dr. Böhm (www.boehmwanderkarten.de) nichts eingezeichnet ist. Normalerweise gehe ich davon aus, dass etwas, was auf der Karte von Dr. Böhm nicht vorhanden ist, auch nicht in der Natur da ist.
Der Startpunkt liegt an der Neumannmühle. Von hier geht es ein riesiges Stück durch den Großen Zschand. Zu allererst ist der Große Zschand, gekennzeichnet mit der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich, eine wirklich enge und hohe Schlucht. Dadurch ist hier selbst im Sommer ein angenehm kühles Klima, was mir an dem heißen Sommertag sehr entgegen kam. Es sollte aber im späteren Teil der Wanderung noch anders werden. Schon nach ein paar hundert Metern im Großen Zschand fällt auf der rechten Seite eine Türe unter einem Felsen auf. Dabei handelt es sich um eine uralte Schwarzpulverkammer. Von diesen Miniräumen gibt es einige in der Sächsischen Schweiz, die alle den gleichen Aufbau haben. Von außen sind die Räume mit ein bis zwei Türen geschützt. Dahinter ist ein Vorraum von schätzungsweise 1,5 m (h) x 1,5 m (b) x 2 m (t) und in einer der drei Wände ist ein kleines Fach mit Türe, wo anscheinend das Schwarzpulver aufbewahrt wurde. Früher ist es so gewesen, dass nicht nur die Bäume gefällt, sondern auch die Wurzeln verwendet wurden. Eine Wurzel aus dem Waldboden herauszubekommen ist wahnsinnig kräftezehrend. Heutzutage kann man eine Wurzel mit größeren Maschinen aus dem Boden zupfen, früher hat man dazu das Schwarzpulver benutzt. Vermutlich sieht man auch deshalb manchmal noch Krater im Waldboden, weil dann doch mal jemand mit der Menge des Schwarzpulvers übertrieben hat.
Die Wanderung führt weiter durch den Großen Zschand leicht ansteigend aufwärts Richtung Zeughaus. Bald weitet sich das Tal und es wird auch deutlich wärmer. Wenige Meter vor dem Zeughaus befindet sich auf der rechten Seite eine Informationsstelle des Nationalparks. Hier lohnt es sich immer, einen Abstecher hinein zu unternehmen, da jede der Informationsstellen ein anderes Thema behandelt und diese Themen auch jedes Mal hervorragend präsentiert werden. Gleich neben dem Haus befindet sich auch die letzte Möglichkeit (www.alteszeughaus.de), noch eine Erfrischung zu kaufen, danach muss man auf Selbstversorger umstellen.
Die Wanderung führt jetzt weiter durch den Großen Zschand, wobei sich die Wanderwegmarkierung auf den roten Strich roter Strich geändert hat. Gleich auf den ersten Metern hinter dem Zeughaus fällt auf der linken Seite eine riesige Wiese mit einer offiziellen Feuerstelle auf. Hier hat früher ein Ferienheim für Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR gestanden, das nach der Wende erst einige Jahre ungenutzt vergammelte und dann im Jahre 2000 abgerissen wurde. Ziemlich komisch fand ich das schon, dass man bei dieser Ausgangsposition für tolle Wanderungen nichts Sinnvolles draus machen konnte. Aber dadurch ist es hier in dem hinteren Teil des Großen Zschands wunderbar ruhig und man kann vollkommen ungestört in das Tal hinein wandern.
Das gesamte Gebiet des hinteren Großen Zschands ist umschlossen von der sogenannten Kernzone. Aus der Sicht des Nationalparks dürfen hier nur „im Gelände markierte Wege“ betreten werden. Die Frage ist natürlich, was die markierten Wege sind. Bei Wanderern ist eine Wegmarkierung ein bunter Strich/Punkt, aber es gibt auch noch die Kletterzugänge. Hier bin ich mir selber nie einig, ab wann man in die Kategorie Kletterer gehört. Ziemlich seltsam ist es auch, wenn man in den Großen Zschand hinein wandert, wieviele Wege und Pfade links und rechts abbiegen, die alle keine Markierung auf den ersten paar Metern haben. Wenn man dann den Pfaden ein Stückchen gefolgt ist, dann ist auf einmal ein Pfeil zu sehen. Warum dürfen Kletterer kreuz und quer die Kernzone durchschreiten und an fast allen Felswänden hochklettern, wenn es gleichzeitig mit einer Vielzahl von Schildern für Wanderer verboten ist?
Die Wanderung führt auf jeden Fall weiter durch den Großen Zschand. Nach etwas mehr als 2 ½ Kilometern auf der roten Wanderwegmarkierung biegt diese aus dem Tal ab, aber die Wanderung geht noch ½ Kilometer weiter in Richtung tschechische Grenze. Zum Anfang des unmarkierten Weges weist zwar ein Schild darauf hin, dass dieser Weg nicht erlaubt ist, aber wie man gut dem Zählautomaten entnehmen kann,Zugang_suedliche_Seite_Gratweg_Thorwalder_Waende_klein ignorieren viele Wanderer dieses Verbot und außerdem ist es ein historischer Weg, der mindestens seit zwei Jahrhunderten vorhanden ist. Nach dem besagten ½ Kilometer geht auf der linken Seite ein deutlich sichtbarer Weg aufwärts. Aufstieg_Grenzweg_Thorwalder_Waende_kleinBei dem Weg handelt es sich nicht nur um einen Pfad, sondern um einen Waldweg mit Fahrzeugbreite. Auch hier ist es wieder so, dass die Kennzeichnung als Kletterzugang ein Stück vom Hauptweg entfernt liegt. Das größte Stück der Strecke ist noch angenehm ansteigend und erst wenn der Pfad auf der rechten Seite an die tschechische Grenze stößt, wird die Steigung richtig anstrengend. Der geplante Wanderweg ist durch die Grenzsteine sehr einfach zu finden und am höchsten Punkt (Hauptgrenzstein 6) wird die Grenze nach links verlassen.
Jetzt beginnt der eigentliche Gratweg auf den Thorwalder Wänden. Auch wenn der Pfad ganz hervorragend versteckt liegt und anscheinend von allen Seiten verschwiegen wird, so ist der Verlauf gut zu erkennen. Ich habe mal die Theorie gehört, dass ein Pfad entsteht, wenn mindestens 200 Leute im Jahr auf einer Strecke entlang wandern. Damit kann man sich ungefähr vorstellen, wie viele Wanderer außer mir hier unterwegs sind. Wenn man sich die Wanderkarte von Dr. Böhm ansieht, dann fallen auf den Thorwalder Wänden kleine Kreuzchen auf. Wenn man die Kreuze miteinander verbindet, dann entsteht genau der Gratweg. Der Startpunkt des Gratweges ist auf der Wanderkarte Großer Zschand das eingezeichnete Wandermädchen.
Nach weniger als 200 Metern biegt ein Pfad nach links auf das Lange Horn ab. Den Abstecher kann man aber getrost auslassen, da es heutzutage einfach keine lohnenswerte Aussicht mehr gibt. Es geht weiter über den hintersten Teil des Gratweges. Schon nach wenigen Metern geht es auf der westlichen Seite ein Stückchen abwärts und man erreicht die offizielle Wanderwegüberquerung der Thorwalder Wände. Hier kann man natürlich immer nur wieder hoffen, dass einem nicht genau in dem Augenblick ein anderer Wanderer begegnet. Zumindest für den weiteren Weg würde ich dann doch solange warten, bis der oder die anderen Wanderer außer Sichtweite sind. An der höchsten Stelle dieses markierten Wanderweges befindet sich eine deutlich sichtbare Felsspalte, durch die die Wanderung weiter geht. Auch wenn der Weg eigentlich nicht so aussieht, als wenn man dort hoch kommt, so ist es ziemlich einfach, weiter aufzusteigen.
Danach kommt erst mal wieder ein Stück von fast ½ Kilometer, das der Erholung dient, um dann auf richtig anspruchsvoll umzuschwenken. Steile_Treppe_Gratweg_Thorwalder_Waende_kleinEs geht durch eine sehr steile Felsspalte abwärts. Hier sind zwar Stufen in den Felsen eingearbeitet, aber irgendwie sind die viel zu steil, um von oben nach unten zu klettern. Da ich die Runde alleine gewandert bin, musste ich natürlich umso vorsichtiger unterwegs sein, weil ich bei einem Fehltritt sonst nur auf ein funktionierendes Handy setzen könnte. Da ich aber in meinem Rucksack seit ein paar Jahren auch ein 20-Meter-Seil bei mir trage, zweite_schwierige_Schlucht_Gratweg_Thorwalder_Waende_kleindurfte das Ding zum ersten Mal eingesetzt werden. Vermutlich hätte jeder Kletterer über so einen ungeschickten Wanderer gelacht, aber ich bin die Spalte ohne Blessuren heruntergekommen und habe mich danach über meine Kletterleistung gefreut. ¼ Stunde später kommt noch eine weitere und sogar längere Schlucht, aber hier kann man sich ganz gut links und rechts an den Felswänden abstützen. Da die Wände sehr mit grünem Moos und Algen überwachsen sind, kann es nach dem Abstieg sehr gut sein, dass die Kleidung nach einer Waschmaschine schreit.
Ab dieser Stelle geht es wieder sehr angenehm weiter. Deutlich sind Spuren des ursprünglichen Pfades zu erkennen. ehemalige_Balkenlager_Gratweg_Thorwalder_Waende_kleinSo findet man an richtig vielen Stellen Stufen im Felsen und auch immer wieder Aussparungen im Felsen für Balkenlager. Dass die Dinger heutzutage entweder absichtlich entfernt wurden oder einfach nur verrottet sind, ist schade, aber zum Glück an keiner einzigen Stelle wirklich störend. Inschrift_1853_Gratweg_Thorwalder_Waende_kleinAuf dem gesamten Gratweg kann man auch immer wieder die alten Zahlen in den Felswänden entdecken. Ziemlich interessant ist die Jahreszahl 1853 am Ende des Gratweges. Hier kann man in der Natur entdecken, dass schon seit fast zwei Jahrhunderten Wanderer unterwegs sind. Wenn man dann in der Literatur wie z.B. Herrn Götzingers Reisebeschreibung von 1812 liest, dass der Weg von „Holzmachern und Breuselbeerweibern“ benutzt wurde und er den Weg empfahl, dann ist es doch ein deutliches Zeichen, dass der Pfad schon seit weit mehr als 200 Jahren besteht.
Ganz am Ende des Gratweges kommt noch mal eine Schlucht, die von oben gesehen zuerst einen ganz unscheinbaren Eindruck macht. Je weiter man aber nach unten kommt, desto steiler und enger wird die Felsspalte, sodass der beste Weg die beiden Felswände in klemmender Position sind. gemeiner_Abstieg_am_Ende_Gratweg_Thorwalder_Waende_kleinDanach sieht man dann endgültig wie ein Schwein aus. Als ich die Runde gedreht habe, war es einer der heißen Sommertage 2010 und so war ich gigantisch durchgeschwitzt und dazu an mehreren Stellen moosgrün. Gut, dass ich für den Rückweg eine Strecke ausgewählt habe, die so einigermaßen menschenleer ist. Für den weiteren Weg geht es dann nach links runter zum unteren Thorwalder-Wände-Weg. Er ist mit dem grünen Strich grüner Strich markiert und schlängelt sich am Fuße der Felswände entlang. Dem Weg folgt man nach rechts. Nach ungefähr 200 Metern erreicht dieser Waldweg eine Kreuzung, an der der markierte Weg nach links abbiegt. Hier geht es schräg nach rechts vorne weiter um den Hochhübel herum. Der Weg ist ein Forstweg, der selten von anderen Wanderern benutzt wird. Nach sehr genau einem Kilometer macht der Weg einen seltsamen Knick nach rechts, obwohl man eigentlich geradeaus weiter müsste. Als Wanderer kann man aber den direkten Weg absteigen und damit erreicht man die Kreuzung mit dem Saupsdorfer Weg (blauer Strich). Hier geht es geradeaus über den breiten Forstweg hinweg, um weiter in die Richtung des Großen Teichsteins zu wandern. Die Kreuzung mit dem Zugang zum Großen Teichstein erreicht man schon nach ein paar hundert Metern und man sollte sich ganz sicher nicht den Großen Teichstein entgehen lassen. Auch wenn der Zugang zu der Aussicht einen ¾ Kilometer vom Wanderweg entfernt liegt, so sollte man diesen Abstecher unbedingt unternehmen.
Nach diesem Zwischenstopp kommt ein sehr erholsames Stück über den Flügel E. Dazu biegt man vom Teichsteinzugang nach links ab und folgt der breiten Forststraße über eine Strecke von 2 ½ Kilometern. Dafür, dass die 2 ½ Kilometer über den Gratweg der Thorwalder Wände ziemlich abwechslungsreich waren und so manches hoch und runter enthalten haben, ist die gleiche Streckenlänge über den Flügel E eher erholsam, aber auch hier trifft man normalerweise nur ganz selten andere Wanderer. Nach den 2 ½ Kilometern erreicht man den Abzweig zur Buschmühle und damit den Weg runter ins Kirnitzschtal. Die letzten paar Meter sind ziemlich schnell geschafft und entweder kehrt man bei der Buschmühle (www.die-buschmuehle.de) für eine Stärkung ein oder man wandert noch die letzten paar Meter das Tal abwärts bis zum Ausgangspunkt an der Neumannmühle.
Damit ist eine sehr schöne Wanderung zu Ende gegangen, bei der ich inzwischen weiß, warum mich einer unserer Leser auf die Schwierigkeit des Gratweges aufmerksam gemacht hat. Der Weg ist von der technischen Seite nicht gerade einfach, aber dadurch umso interessanter.
Inzwischen ist auch wieder eine brauchbare Wanderkarte zum Thorwalder Gratweg aufgetaucht. Zu finden ist sie hier:
http://www.boehmwanderkarten.de/natura/is_natura_thorwalder_waende.html

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Kirnitzschtal Neumannmühle mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Neumannmühle
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 3,00€

2 Gedanken zu „Gratweg Thorwalder Wände“

  1. Lieber mutiger Wanderer!
    Deine Schilderung der „Bewältigung“ des Gratweges über die Thorwalder Wände habe ich schon einige Male mit grossen Interesse gelesen; denn diese schwierige Wanderung zu unternehmen war auch mein Ansinnen schon seit Jahren.
    Bis jetzt habe ich aber vor der Unwirtlichkeit des Weges immer wieder zurückgeschreckt.
    Gereizt hat mich gerade diese Tour allerdings schon immer, da es eine der wenigen ist, die ich noch nicht kenne.
    Vielleicht fasse ich mir ja irgendwann noch ein Herz dazu.
    Je öfter ich diese Beschreibung lese, umso mehr bekomme ich Lust, aber gleichzeitig ist auch immer Abneigung dabei – wenn ich an den letzten Abstieg durch jene enge, bemooste Schlucht denke …
    Trotzdem Danke für den interessanten Beitrag!
    Hans Blüthgen, seit über 50 Jahren im Elbsandstein unterwegs …

    1. Hallo Hans,
      ich habe den Gratweg vor kurzem in der anderen Richtung gemacht. Damit sind die hier beschriebenen Abstiege als Aufstiege problemlos machbar. Es ging ohne Seil und ich war auch nicht so schmutzig wie beschrieben. Nur Mut.
      Berg frei.
      DSC

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