Herrenleite

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 3,00 h
Entfernung:
ca. 11,50 km
Höhenunterschied:
ca. 173 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad
empfohlene Karten:
Elbsandsteingebirge;
Kompass
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Lohmen - roter Strich - gelber Punkt - Doberzeit - Lohmerner Straße - Zatzschke - Katzbach - Herrenleite - Feldbahnmuseum - roter Strich - Kastanienallee - Lohmen

Beschreibung:

Anfang 2012 war in allen möglichen Medien auf einmal im Gespräch, dass in der Sächsischen Schweiz Bunkerplätze für den vorhergesagten Weltuntergang im Dezember 2012 angeboten wurden. Dazu gab es mehrere Ebay-Versteigerungen für einen mehrtägigen Aufenthalt in einem ausreichend großen Bunker irgendwo im Bereich von Lohmen. Ich gehe doch mal davon aus, dass ich mich ganz gut in der Sächsischen Schweiz auskenne und auch im Bereich Lohmen und Wesenitz habe ich schon so manchen Ausflug unternommen, trotzdem konnte ich es mir kaum vorstellen, dass sich so eine riesige Anlage hier irgendwo befinden sollte. Netterweise wurde sehr schnell bekannt, dass sich hinter der Versteigerung der Lohmener Motorradclub (www.lohmener-sachsen.de) verbarg und diese ihr Clubgelände auf einem ehemaligen Armeegelände in der Herrenleite haben. Komischerweise haben wir das Tal Herrenleite zwar schon mal auf einer Wanderkarte gesehen und das untere Ende des Tals auch auf der Genusswanderung passiert, aber tatsächlich sind wir noch nie in der Herrenleite gewesen. So etwas kann natürlich nicht so bleiben und deshalb haben wir uns gleich mal auf den Weg gemacht.
Natürlich könnte man auch eine kurze Wanderung mit einem Hin- und Zurückweg für diese Erkundung machen, aber irgendwie ist sowas ja nicht unser Ding. Man könnte sogar den größten Teil der Wanderung mit dem Auto unternehmen, aber das ist noch langweiliger. Deshalb liegt der Startpunkt in Lohmen an der Kirche. Von hier geht es geradeaus auf der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich in Richtung Lochmühle/Wesenitz. Jahreszahl_Lohmen_MDCCCXXXI-1831_klein Auf der linken Straßenseite fällt eine Giebelwand mit einer Jahreszahl auf. Damit es nicht ganz so einfach ist, wurde die Jahreszahl in römischen Zahlen geschrieben und so kann man ein wenig rätseln, wie alt das Gebäude wirklich ist. Die Jahreszahl ist: MDCCCXXXI. Der markierte Wanderweg führt sehr angenehm 1 ¼ Kilometer durch das bewohnte Gebiet von Lohmen, bis der rote Strich von der Straße nach rechts runter ins Wesenitztal abbiegt. Hier wird die Wegmarkierung verlassen und es geht noch ein kleines Stückchen auf der Straße weiter durch Lohmen. Zuerst passiert die Straße die Kläranlage, die netterweise vollkommen geruchlos ist und dann geht es noch an dem Ortsteil namens Daube vorbei.
Dahinter geht es auf der Landstraße in Richtung Doberzeit. Zuerst passiert die Straße die Bahnlinie zwischen Pirna und Lohmen. Danach muss man leider auf der Landstraße entlang wandern, die aber netterweise nur relativ wenig befahren wird. Dafür hat man einen guten Blick runter in den weiten Talkessel der oberen Elbe mit Pirna und Dresden. Als wir die Wanderung im April 2012 unternommen haben, gab es für uns ein besonderes Schauspiel auf der linken Straßenseite. Hier befindet sich ein bisschen abseits der Straße die Agrarproduktion „Zur Bastei“ mit einem großen Schornstein. Darauf hatte ein Storch ein ordentliches Nest gebaut und war lustig mit dem Schnabel am Klappern. Als wir uns dem Gelände bzw. dem Schornstein näherten, setzte der Storch sich gemeinerweise hin und war damit in seinem Nest verschwunden. Schade, da bei uns in der Region Störche eine echte Seltenheit sind und wir uns sehr gerne diesen großen Vogel aus der Nähe betrachtet hätten.
Die Wanderung geht also weiter über die Landstraße bis in die Ortschaft Doberzeit. Die große Dorfstraße sieht ganz besonders nett aus, da sich an den Straßenrändern ein breiter Grünstreifen befindet. Rastplatz_mit_Muehlstein_Doberzeit_kleinDer Streifen ist so breit, dass sogar an einer Stelle ein kleiner Rastplatz mit zwei soliden Bänken und ein massiver Mühlstein Platz hat. Bei Doberzeit ist es sehr auffällig, dass sich auf beiden Straßenseiten einige große Bauerhöfe nebeneinander befinden. Heutzutage sind viele dieser Bauernhöfe umgewandelt in ziemlich groß geratene Wohnhäuser. Am Ende der Dorfstraße (Straßenname Am Anger) erreicht man das hässlichste Stückchen der Wanderung. Hier muss man etwa 300 Meter auf der S164 nach rechts wandern. Diese Staatsstraße ist eine vielbefahrene Verbindung zwischen Pirna und Stolpen bzw. Bastei und so ist es überhaupt kein Vergnügen, am Straßenrand entlang zu wandern. Die ersten Meter kann man noch auf einem Bürgersteig bewältigen und dann empfiehlt es sich, die Straßenseite zu wechseln, denn dort hat sich ein Trampelpfad am Feldrand entwickelt. Nach den besagten 300 Metern biegt nach links die Wanderwegmarkierung gelber Punkt gelber Punkt auf einen Feldweg ab. altes_Kreuz_zwischen_Doberzeit_und_Zatzschke_kleinNoch ganz kurz vor dem Waldrand befindet sich am rechten Wegesrand ein uraltes Steinkreuz, auf dem man leider keine Inschriften mehr entziffern kann. Am unteren Rand befindet sich ein kleines Edelstahlschild mit der Inschrift „Wiedererrichtet Anno 1970; Deutscher Kulturbund Pirna Numismatik“. Aber das Kreuz sieht ganz sicher nicht so aus, als ob es 1970 neu erstellt, sondern tatsächlich „nur“ neu aufgerichtet worden ist.
Die Wanderung verläuft erst noch ein kurzes Stück horizontal, um dann in einem kleinen Zickzack ins Tal abzusteigen. Auf dem Weg nach unten fällt ein ziemlich großer Erdwall quer zum Tal auf, der ganz sicher nicht natürlich entstanden ist. Im Tal kann man eine Bahntrasse und auf der gegenüberliegenden Seite eine Straße entdecken. Genau diese Straße ist das nächste Ziel und deshalb folgt man weiterhin der gelben Wanderwegmarkierung. Schon bald erreicht man die Dorfstraße mit dem lustigen Namen Am Riesenfuß. Diese wandert man bis zum Ende an den ehemaligen Gleisen. Hier biegt man nach links auf die Arthur-Thiemann-Straße ab. Der Wanderweg ist hier immer noch mit dem gelben Punkt markiert. Nach ein paar Metern erreicht man die Kreisstraße 8710 (Wehlener Straße), die man wieder nach links weiter wandert. Wieder an der ersten Möglichkeit geht es Steinbruchnummer_294_Herrenleite_kleinnach links und damit hat man die Straße ins Tal Herrenleite erreicht. Die Straße ist eine Sackgasse und dadurch ist der Autoverkehr ziemlich gering. Auf der rechten Straßenseite im Tal befanden sich früher so einige Steinbrüche, die man heutzutage fast nicht mehr erkennen kann, aber es stehen immer noch die alten Steinbruchnummern am Straßenrand.
Die Bahnlinie ist seit 1998 außer Betrieb genommen und genau aus dem Grunde ist sie heutzutage auch schon ziemlich zugewuchert. Früher ist sie zum Transport von Sandsteinen und Erdöl bzw. Benzin benutzt worden. Nach fast 1 ½ Kilometern fällt auf der linken Straßenseite ein ungewöhnlich stabiler Zaun auf. Solch einen Luxuszaun kann sich eine Privatperson oder ein normaler Betrieb kaum leisten, aber ein militärisches Gelände. Genau so etwas befand sich früher hier in dem hinteren Teil der Herrenleite versteckt. Zuerst ist im 2. Weltkrieg ein Stollensystem für die Erdölraffination unter Tage  erstellt worden. Dieses ist am Ende des 2. Weltkrieges gesprengt worden und danach wurde in einem Mineralölwerk die Aufbereitung von Flugbenzin und Mineralöl durchgeführt. Dadurch wurde das Tal bzw. die Umwelt ziemlich stark geschädigt. Noch heute befindet sich in der Nähe des Feldbahnmuseums ein Tümpel, der mit einem Zaun geschützt werden muss. Das ehemals militärische Gelände ist mindestens ½ Kilometer lang und die eigentliche Zufahrt befindet sich am östlichen Ende. Hier biegt eine Straße nach links ab und würde eigentlich aus dem Tal herausführen. Einfahrt_ehemaliges_Bundeswehrlager_kleinAuch die Einfahrt sieht viel mehr nach Militär als nach einem Motorradclub aus. Und auf diesem Gelände befinden sich auch die beiden Stollenzufahrten. Diese Stollen sind tatsächlich nicht im 2. Weltkrieg errichtet worden, sondern erst weit danach. Es gibt die unterschiedlichen Jahreszahlen 1965 und 1985. Das Stollensystem ist über Jahrzehnte als Lager mit unterschiedlichem Inhalt genutzt worden. Einerseits soll das Staatliche Amt für Atomsicherheit hier schwach radioaktives Material gelagert haben und dann haben die beiden Verteidigungsministerien (Volksarmee und Bundeswehr) hier Kriegsgerät eingelagert. Zur Jahrhundertwende ist das Lager aufgegeben und temporär mit Beton versiegelt worden. Seit ein paar Jahren hat der Motorradclub das Gelände inklusive der leeren Stollen übernommen und hatte nun die unterhaltsame Idee mit dem Maya-Weltuntergang. Auf jeden Fall wäre der Bunker wohl einer der sichersten Orte in Deutschland bei einem Weltuntergang und auch sofort für eine große Anzahl zahlungskräftiger Mitmenschen verfügbar. Ob man tatsächlich nach einem Weltuntergang noch wieder aus so einem Loch heraus kriechen möchte, bin ich mir nicht sicher, aber das sollte jeder für sich entscheiden. (Die Frage ist, wie man sich den Weltuntergang vorstellt. Ich denke mir da, wenn die Welt unterginge, im Sinne von einer Riesenexplosion vielleicht, ginge ja wohl auch der Bunker mit unter, oder? Es heißt ja „Weltuntergang“ und nicht etwa „Untergang allen Lebens an der Erdoberfläche“ oder so…) Sehr unterhaltsam waren die Fragen in dem Ebay Angebot und gerade deshalb waren wir eigentlich auch richtig enttäuscht, dass die Angebote wieder aus der Versteigerung herausgenommen wurden.
Für die weitere Wanderung geht es noch ein kleines Stück weiter im Tal Herrenleite. Nach ein paar Zug_im_Feldbahnmuseum_Herrenleite_kleinhundert Metern (700 Meter) erreicht man die Ausstellungsfläche des Feldbahnmuseums. Es ist schon wirklich nett, die vielen Exponate hier zu entdecken. Eigentlich ist das Museum nur ganz selten (von Juli bis September; Samstag von 14 – 18 Uhr) geöffnet und deshalb sollte man vor einem Besuch auf der Webseite (www.feldbahnmuseum-herrenleite.de) des Vereins vorbeischauen. Am Eingang steht aber auch, dass man das Gelände betreten darf, sobald das Tor offen steht. Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Hingabe sich hier eine große Anzahl Erwachsene (meistens scheinen es Männer zu sein) mit diesen etwas zu klein geratenen Eisenbahnen beschäftigen.
Für die weitere Wanderung bietet sich sehr gut die Verlängerung der Zufahrt zum Feldbahnmuseum an. Dazu geht man, wenn denn das Tor zum Gelände offen ist, auf der gegenüberliegenden Talseite den Hang hinauf. Zuerst sieht es so aus, als wenn nach ein paar Metern ein großes Tor den Weg versperrt, aber links von dem Tor ist der Zaun unterbrochen und man kann weiter aus dem Tal aufsteigen. Hier hinter dem Feldbahnmuseum scheinen nur sehr wenige Besucher bzw. Wanderer unterwegs zu sein, weil die riesig breite Zufahrt auch im Frühjahr mit einer dichten Blätterschicht bedeckt ist. Auf der linken Seite kann man am oberen Rand der Herrenleite mindestens einen Steinbruch entdecken, der sogar noch eine gut sichtbare Sprengstoffkammer hat. Am Ende dieser rückseitigen Zufahrt stößt die Wanderung auf die Verbindungsstraße zwischen Dorf Wehlen und Lohmen. Dieser unscheinbare Feldweg ist aber asphaltiert und wird auch von ein paar autofahrenden Insidern benutzt. Hier geht es auf der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich nach links weiter. Kastalinenallee_Lohmen_kleinDer Feldweg ist sehr schön mit einer Allee Obstbäume geschmückt und kurz vor Lohmen wechseln diese kleineren Bäume in uralte Kastanien. Wir waren schon zum Anfang des Feldweges über den Namen der Straße Kastanienallee überrascht und haben eigentlich schon an unseren Biologiekenntnissen gezweifelt. Aber zum Glück hat sich die Namensgebung dann doch noch geklärt. Die Kastanienallee endet ganz knapp neben der Kirche von Lohmen und damit ist diese Wanderung am Anfangspunkt wieder angekommen. Es war schon mal wieder sehr interessant, dass man jahrelang in der Sächsischen Schweiz herumwandern und immer noch was Neues entdecken kann. Das Tal der Herrenleite ist ein typischer Fall dafür. Wer vielleicht auch noch mit uralten Wanderkarten ausgestattet ist, der wird das Tal womöglich überhaupt nicht entdecken, da es einige Jahrzehnte eine militärische Sperrzone war und einfach nicht dargestellt wurde. Natürlich ist zu hoffen, dass die Maya nicht mit ihrem Kalender recht haben und der Bunker in der Herrenleite doch noch benötigt wird. Grundsätzlich ist die Wanderung aber nicht gerade ein Hit, da es einfach zu lange auf irgendwelchen gut befahrenen Landstraßen entlang geht.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Lohmen mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Lohmen Kirche

2 Gedanken zu „Herrenleite“

  1. Wer wie der Autor keine große Lust auf zu viel Straßenanteil hat, der kann kurz hinter Lohmen statt auf der Doberzeiter Straße weiter Richtung/durch Doberzeit zu wandern, in einem weiten Bogen Richtung Osten einen etwa 600 längeren Weg über die Felder wählen. Dort hat man auch eine prima Sicht Richtung Heidenau und Dresden und kommt kurz vor der Pirnaer Str. noch an einem netten Rastplatz vorbei. Auch muss man dann ein paar Meter weniger direkt an der vielbefahrenen Pirnaer Str. entlang laufen.

  2. Wer wie wir nicht in Lohmen, sondern am tiefsten Punkt der Route in Mockethal startet, dem empfehle ich in Lohmen unterhalb des Schlosses direkt an der Wesenitz einen wunderbaren Rastplatz namens „Alte Furt“. Von der Kirche kommend biegt dazu ein kleiner Weg mit Treppen namens „Am schwarzen Berg“ nach rechts ab, der direkt am „Forellenflüsschen“ entlang hinunter zur Wesenitz führt.

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