Kirnitzschquerung

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 5,00 h
Entfernung:
ca. 13,50 km
Höhenunterschied:
ca. 710 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
lang
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Böhmische Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Hinterhermsdorf - Neudorf - gelber Strich - Neudorfstraße - Lehmhübelweg - Pöhligstein - Taubengrund - Kirnitzschtal - Niedere Mühle - Grenzübergang - blauer Strich - Wolfstafel - Unterer Weg - Paschersteig - Rotes Floß - Schwarzes Tor - Schönlinder Brücke - Kirnitzsch - blauer Strich - Jansloch - Janslochweg - Hohweg - grüner Strich - Jans Fang - Wettinplatz - Lehmhübelweg - Pöhligstein - Hinterhermsdorf - Neudorf - Neudorfstraße

Beschreibung:

Wir sind mal wieder mit unseren Wanderfreunden aus Celle unterwegs gewesen. Theoretisch sollte die Wanderung zwar eigentlich ganz woanders hinführen, aber praktisch hat leider ein brütender Vogel einen Strich durch die Routenplanung gemacht und so wurde diese überraschend tolle Wanderung draus. Der Startpunkt liegt in Hinterhermsdorf. Eigentlich sollte der Startpunkt in der Ortsmitte von Hinterhermsdorf liegen und dann über die Neudorfstraße hinausführen, aber praktischerweise gibt es auch an der Neudorfstraße ein paar wenige kostenlose Parkplätze. Also geht es auf der Neudorfstraße mit der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich in Richtung Kirnitzsch. Wenige Meter, nachdem man die letzten Häuser passiert hat, blickt man nach links in ein liebliches Tal mit ein paar verstreuten Häusern. Hier stelle ich mir immer wieder vor, wie man diese Häuser im Winter wohl erreicht. Nach einem kurzen Stück über die Wiesen erreicht man den Wald und es geht auf dem Lehmhübelweg weiter. Nach ein paar hundert Metern passiert man den Pöhligstein, der an den Tod des Waldarbeiters Wilhelm Pöhlig am 24.6.1889 durch einen „Schlagfluss“ erinnert. Schlagfluss ist die alte Bezeichnung für einen Schlaganfall.
Kurz hinter dem Gedenkstein beginnt der Abstieg ins Kirnitzschtal. Der Weg heißt Taubensteingrund und zwischendurch sollte man unbedingt die Aussicht Taubenstein besuchen. Von hier hat man einen schönen Blick ins Kirnitzschtal und auf die Niedermühle. Der Weg runter ins Tal ist immer noch mit dem gelben Strich gekennzeichnet. Wenn man am tiefsten Punkt angekommen ist, dann steigt die Wegmarkierung ganz komisch nach links auf einem Pfad wieder hoch. Das ist noch ein Resultat aus der Zeit der deutsch-tschechischen Grenze. Bis heute ist anscheinend keiner auf die Idee gekommen, die Markierung auf den Weg unten lang zu legen. Dieser Weg ist viel angenehmer zu wandern, aber man überquert ein paar Meter tschechisches Gebiet. Genau in diesem Zipfel vor der Niedermühle biegt aber ein Weg hoch in den Böhmischen Wald ab. Dieser Aufstieg ist zwar nur 200 Meter lang, aber dafür werden 50 Höhenmeter überwunden und damit kann man sich schon mal ganz gut warmlaufen. Radfahrersperre_kleinAm Ende des Aufstiegs erreicht man ein sehr ungewöhnliches Gebilde. Dabei handelt es sich um eine Wegsperre für Radfahrer, die aber so gewaltig massiv ausgefallen ist, dass sie wohl auch für Trecker, LKWs und Panzer geeignet wäre. Aber das Gefälle des Weges ist wirklich gewaltig, zumindest für jegliche Form von Fahrzeugen, und so sollten keine Mountainbiker den Hang hinunterschießen.
Oben angekommen, erreicht man einen breiten Waldweg, den man nach rechts weiter wandert. Der Weg ist mit dem blauen Strich blauer Strich gekennzeichnet schlecht_lesbare_Wolfstafel_kleinund schon nach wenigen Metern erreicht man eine Felsmurmel auf der rechten Wegseite mit einer Gedenktafel. Darauf wird über die Jagd eines Hegers namens Grohmann auf zwei Wölfe im Jahre 1640 berichtet. Die Inschrift ist über Jahrzehnte unter einer Wurzel versteckt gewesen und durch einen Blitzeinschlag wieder zu Tage gefördert worden. Netterweise hängt heutzutage an der Seite des Felsens auch noch eine tschechische Übersetzung des Textes. Ein paar hundert Meter (genauer gesagt 1,7 Kilometer) hinter der Wolfstafel sollte eigentlich unsere Erkundung der Drachenstiege starten, aber hier hingen gleich mehrere Schilder, die darauf hinwiesen, dass hier Brutgebiet von geschützten Vögeln sei und man deshalb von März bis Juni hier nicht weiter gehen darf. Dafür hatten wir als Familie Geier schon von Natur aus viel Verständnis und außerdem konnten wir das Geschrei der Elternvögel schon von Weitem hören.
Tja, damit war unsere ursprüngliche Planung hinfällig, aber wenn man schon mal hier ist, dann könnte man doch durch den Paschersteig bis runter zur Oberen Schleuse wandern. Der Einstieg in den Paschersteig befindet sich also 1,7 Kilometer hinter der Radfahrersperre und beginnt gegenüber der ersten Felswand gleich neben dem Weg. Die Felswand steht 1 – 2 Gebaeudereste_Paschersteig_kleinMeter neben dem Waldweg und ist mindestens 10 Meter hoch. Auf der gegenüberliegenden Wegseite (also nach rechts) biegt ein Pfad in eine Senke ab, die man sehr angenehm absteigen kann. Insgesamt sind es 150 Meter abwärts, bis es nur noch links oder rechts geht. Hier befinden sich vollkommen überraschend die uralten Reste eines Hauses. Ob sich die Schmuggelei damals so sehr gelohnt hat, dass man hier sogar ein Gebäude aus Stein bauen konnte?
An dieser Stelle geht es nach rechts weiter abwärts. Das Tal ist relativ gut zu begehen, nur an ein paar Stellen liegen gefällte Bäume im Wege und manchmal ist es an der tiefsten Stelle etwas feucht. Ganz seltsam ist, dass man durch diesen Grund super einfach bis runter zur Kirnitzsch wandern kann. Unten angekommen, steht man an einer kleinen Einbuchtung mit einem Obere_Schleuse_am_Paschersteig_kleinSandstrand und man befindet sich an einer der breitesten Stellen der Kirnitzsch. Die Stelle sieht wirklich sehr interessant aus, auch wenn es das ernstzunehmende Manko gibt, dass hier Endstation ist, und zwar nicht der Kahnfahrt, sondern dummerweise des Weges, der hier eine Sackgasse bildet. Als wir an der Stelle Rast machten, fuhr nach wenigen Minuten einer der Kähne mit Passagieren vorbei. Die Fahrgäste staunten nicht schlecht, uns dort zu entdecken, aber der Bootsführer würdigte uns keines Blickes. Selbst als er die Kirnitzsch leer wieder hoch fuhr und uns in nur 5 – 10 Meter Entfernung passierte, schaute er nicht einmal herüber. Schade, wir wären die 50 Meter bis zum Anlegesteg gerne mit ihm mitgefahren und hätten den vollen Fahrpreis und für den Spaß ein schönes Trinkgeld bezahlt, aber an solchen Geschäften schien der Bootsführer nicht interessiert zu sein.
So sind wir nach einer Stärkung aus dem Rucksack wieder den Paschersteig hoch gewandert. Schon auf dem Hinweg war uns eine Aufstiegsstelle aus dem Grund aufgefallen. Irgendwie sah es so aus, als wenn dort häufiger andere Leute noch hoch gegangen wären und so sind wir von unten kommend nach ¼ Kilometer nach rechts abgebogen. Auch dieser Aufstieg durch die Minischlucht war sehr gut zu bewältigen und oben ging es zuerst noch über eine bewaldete Ebene, um dann auf einen ordentlichen Waldweg zu stoßen. Dieser Felsenausläufer heißt Langes Horn und endet wieder auf dem bekannten Wanderweg mit der blauen Markierung blauer Strich.
Nachdem man den blauen Weg wieder erreicht hat, geht es nach rechts weiter. Zuerst folgt man dem breiten Waldweg noch, aber dann biegt der markierte Weg nach rechts ab und es geht an einen Abstieg in der Form eines Pfades. Nach einem ¾ Kilometer auf der blauen Wanderwegmarkierung erreicht man den Grund des Červený potok (Rotes Floß). Hier geht es ziemlich genau einen Kilometer nach rechts in Richtung Černá brána (Schwarzes Tor). Wilde_Reste_am_Schwarzes_Tor_kleinDer Pfad durch den Grund ist super angenehm zu wandern und das Felsentor ist unübersehbar. Sehr unterhaltsam ist, dass das Unwetter 2010 das Felsentor richtig ordentlich freigespült hat. So lag kein Holz mehr im Bachlauf, der Sand und die kleinen Felsmurmeln waren weiter runter ins Tal gespült worden. Wir sind durch das 1 – 2 cm hohe Wasser gehopst und auf der anderen Seite die paar Meter (ca. 100 Meter) zur Kirnitzsch weiter gewandert.
An der Mündung des Červený potok Kirnitzschdurchquerung_klein(Rotes Floß) in die Kirnitzsch kann man auf der rechten Seite deutlich die beiden alten Brückenköpfe der ehemaligen Schönlinder Brücke erkennen. sandige_Kirnitzschdurchquerung_kleinHeutzutage ist eigentlich an dieser Stelle Schluss und nur wer die Schuhe auszieht kommt auf die andere Seite. Das macht eigentlich nur im Sommer so richtig Spaß, aber praktisch ist die Kirnitzsch immer ein bibberkalter Bach. Netterweise liegt im Flussbett ordentlich Sand, sodass wenigstens der Untergrund sehr angenehm zu gehen ist. enges_Kirnitzschtal_unterhalb_Schwarzem_Tor_kleinAuf der gegenüberliegenden Bachseite sollte man unbedingt ein paar Meter am Bachlauf abwärts gehen. Hier befindet sich ein wunderbarer Blick in ein tief eingeschnittenes Kirnitzschtal. Sehr interessant sind die Spuren in den Felswänden. Hier kann man sehr gut erkennen, wie sich die Kirnitzsch immer weiter in den Felsen schmirgelt. An der rechten Felswand ist noch eine historische Grenzmarkierung mit der Inschrift DDR +26/11 zu erkennen.
Nach diesem sehr schönen Platz geht es an den Aufstieg. Der Weg ist von hier unten durch einige in den Felsen geschlagene Stufen sehr einfach zu finden und man erreicht an einer Einbuchtung den blau markierten Wanderpfad blauer Strich. Hier kann man dann auch sehr gut erkennen, dass der Zugang von oben in die Minischlucht mutwillig mit gefällten Bäumen versperrte wurde. Damit fällt der Weg von oben kommend nicht mehr auf, aber von unten kommt man an der rechten Seite ohne größere Probleme an dieser Wegsperre vorbei.
Jetzt geht es erst einmal ein paar hundert Meter (ziemlich genau ½ Kilometer) sehr angenehm nach links, Hoehle_an_der_Baerenhoehle_kleinbis der Pfad, wieder nach links, über ein paar Stufen absteigt. Hier würde der markierte Weg in die Wolfsschlucht absteigen, aber unser Weg geht nach rechts am Felsfuß entlang. Der unmarkierte Pfad führt in einem Bogen um die Wolfsschlucht und passiert eine Höhle. Bei der Höhle handelt es sich nicht um ein Loch im Felsen, sondern eigentlich eher um zwei Felsen, die nebeneinander stehen und man dazwischen durchgehen kann. Trotzdem ist es ein 10 Meter langer dunkler Schlauch. Der Fachausdruck für diesen Typ Höhle ist Klufthöhle. Wer ein bisschen Platzangst hat, könnte die Höhle auch sehr einfach links herum umgehen. Dann passiert man den Zugang zur Bärenhöhle. Der Zugang befindet sich in einer schmalen Felsspalte, die steil ansteigt und dazu auch noch mit reichlich Erde gefüllt ist. Früher waren hier anscheinend Spreizhölzer eingelegt, aber die fehlen leider heutzutage und so ist die Stelle nicht mehr passierbar. Die Wanderung führt weiter am Felsfuß entlang. Aufstieg_Janslochsteig_kleinNach 200 Metern ist ein deutlicher, breiter Aufstieg zu erkennen, der Janslochsteig genannt wird. Dieser Aufstieg ist sehr einfach zu bewältigen und oben geht es ohne erkennbaren Pfad von der Felswand weg. Spätestens, nachdem man 150 Meter ohne Weg durch den Wald gestiefelt ist, stößt man aber wieder auf einen Waldweg, auf dem man sich weiter von der Felswand entfernt. Der Waldweg heißt Janslochweg und führt bis zum grün markierten Wanderweg grüner Strich. Diesem Weg folgt man nach rechts, um dann nach ¼ Kilometer auf der rechten Wegseite einen Gedenkstein zu entdecken. Die Inschrift auf dem Stein ist: Zum Gedenken an die Opfer der Blitzkatastrophe am 9.Juli 1951; Paul Fritzsche; Emil Neumann; Aloisa Redlich geb. Cermak; Ilse Johne geb. Schmidt.
Für die weitere Wanderung folgt man der grünen Wanderwegmarkierung. Je länger man auf der dieser unterwegs ist, desto breiter wird der Weg. Zu guter Letzt ist der breite Forstweg geschottert und gewalzt, um den Pferdekutschen und Bootsführern den Weg hoch und runter zur Oberen Schleuse zu ermöglichen. Genau von diesem gigantisch ausgebauten Forstweg geht aber dann auch die Gefahr aus, dass man verführt wird, immer weiter darauf zu wandern. Die grüne Wanderwegmarkierung biegt 300 Meter, nachdem die blaue Wanderwegmarkierung den Forstweg überquert, nach rechts ziemlich unscheinbar ab. Der weitere Weg ist zwar auch ein normaler Waldweg, aber im Verhältnis zum breiten Forstweg ein unauffälliger. Der Weg endet auf dem vom Hinweg bekannten Waldweg mit der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich. Wenn man dem Weg nach links folgt, passiert man erst den Pöhligstein und erreicht dann Hintermhermsdorf und den Ausgangspunkt wieder.
Auch wenn eigentlich die Runde ganz anders geplant war, so ist doch eine sehr empfehlenswerte und interessante Wanderung daraus geworden. Die Wanderung hat uns zu einigen uns unbekannten Punkten der Sächsischen Schweiz geführt und die Durchquerung der Kirnitzsch war auch ganz lustig.

2 Gedanken zu „Kirnitzschquerung“

  1. Nachdem der Wetterbericht einen sonnigen Tag versprach, machte ich mich auf den Weg diese wunderschöne Tour zu erkunden.
    Eine himmliche Ruhe, nur vom gezwitscher der Vögel und meiner eigenen Schritte unterbrochene, begann ich diese Wanderung. Sie ist sehr gut beschrieben und so fand ich den Weg sehr genau. Der Höhepunkt war natürlich die Kirnitzschquerung. Es war ein Genuss mit den Füßen im klaren Wasser der Kirnitzsch zu stehen und sich für den weiteren Weg zu erfrischen.
    Danke für die ausführliche Wegebeschreibung und den Verlauf der Tour. Gerne werde ich diese nochmals mit Freunden machen.

  2. Einige Veränderungen gibt es noch. Ich bin diesen Umweg über die Brücke an der Niedermühle gelaufen, sie ist also nicht abgerissen worden. Die Felsen an der Drachenstiege sind nicht wie geschrieben von März bis Juni gesperrt, sondern nun von März bis Juli.

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