Schutzengelkiefer

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 4,00 h
Entfernung:
ca. 15,50 km
Höhenunterschied:
ca. 660 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
lang
steiler Aufstieg
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Nationalpark Böhmische Schweiz;
Nationalpark Böhmische Schweiz
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Ruzak (Rosendorf) - gelber Strich - Ruzovsky vrch (Rosenberg) - blauer Strich - Kamenice (Kamnitz) - Dolsky mlyn (Grundmühle) - gelber Strich - Kamenicka Stran (Kamnitzleiten) - borovice Andela strazneho (Schutzengelkiefer) - Pastevni vrch (Hutberg) - Ruzak (Rosendorf)

Beschreibung:

Nachdem mich ein netter Leser darauf hingewiesen hat, dass ich noch nie an der Aussicht oberhalb der Grundmühle bzw. Kamenice (Kamnitz) war, bin ich gleich mal wieder mit dem Finger über die Landkarte gefahren. Dabei fiel mir eine weitere Stelle mit dem Namen Schutzengelkiefer auf. In Kombination mit dem Růžovský vrch (Rosenberg) sollte doch eine ganz nette Wanderung daraus entstehen. Also geht es vom Parkplatz Růžovský vrch (Rosenberg) am Rande der Ortschaft Růžová (Rosendorf) los. Gleich am Parkplatz stehen mehrere Informationstafeln, die einerseits den Lehrpfad Růžová (Rosendorf) und die Umgebung beschreiben und außerdem ist eine ungewöhnliche, handgemalte Landkarte zu entdecken. Auf der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich geht es die ersten Meter in Richtung Růžovský vrch (Rosenberg). Kurz nachdem man den Wald erreicht bzw. die Schranke passiert hat, wird der markierte Weg verlassen und es geht nach rechts westlich um den Růžovský vrch (Rosenberg) herum. Ausgeschildert ist der Radweg 3076 nach Srbská Kamenice. Die Wanderung führt überraschend angenehm über zwei Kilometer auf die andere Seite des Berges, bis man die Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich erreicht. Hier beginnt ein Aufstieg, der es schon ziemlich in sich hat. Insgesamt sind es 260 Höhenmeter, aber das noch Schwierigere ist der Untergrund. Der obere Teil des Růžovský vrch (Rosenberg) ist eine Basaltkuppe und der Basalt wurde auch auf dem größten Teil der Wege als Untergrund benutzt. Dadurch sind die beiden Pfade auf den Berg ziemlich hubbelig und bei feuchter Witterung unangenehm glatt. Kurz unterhalb des Gipfels führt die rote Wegmarkierung wieder abwärts. Das ist natürlich vollkommener Unfug, denn wenn man schon bis dorthin gekommen ist, dann wird man auch noch die letzten paar ausgeschilderten Meter bis zum Gipfel hoch wandern. Auf dem Gipfel gibt es leider keine besondere Aussicht, aber trotzdem gibt es gleich mehrere interessante Stellen zu entdecken. Grosses_Kreuz_Rosenberg_kleinKurz vor dem höchsten Punkt fällt als erstes einer der Vulkankegel mit seinen vielen Basaltsäulen auf. Am höchsten Punkt steht ein großes Kreuz und an gleich einigen Stellen kann man noch Spuren der ehemaligen Gaststätte bemerken. viele_kleine_Kreuze_Rosenberg_kleinRichtig lustig sieht der nördliche Hang aus. Hier befindet sich ein größeres Geröllfeld, auf dem dutzende Steinkreuze und Steinmännlein stehen. Das sieht wirklich sehr unterhaltsam aus und ich habe es mir so erklärt: Wenn man schon nicht in die Landschaft schauen kann, dann muss wenigstens nach dem anstrengenden Aufstieg ein wenig gespielt werden.
Die Wanderung führt auf dem zweiten Pfad mit der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich den Hang wieder hinab. Es ist ganz schön verwirrend, wenn man eigentlich auf der nördlichen Seite herunter gehen möchte, aber der Beginn des Abstiegs auf der südlichen Seite ist. Irgendwie machte der Abstieg einen angenehmeren Eindruck als der Aufstieg, aber vielleicht lag das einfach nur daran, dass es abwärts ging. Am unteren Ende des Pfads sind gleich mehrere stillgelegte Steinbrüche zu entdecken. Kurz unterhalb dieser Stelle erreicht man einen breiteren Forstweg, der mit einem Lehrpfadsymbol (grüner Schrägstrich grüner Querstrich) gekennzeichnet ist. Diesem Kennzeichen geht es jetzt nach rechts für die restliche Wanderung hinterher. Überraschenderweise stehen so einige nagelneue Tafeln am Wegrand, die über mehr oder weniger interessante Dinge berichten. Die erste Tafel, die man entdeckt, erklärt den Ursprung des Růžovský vrch (Rosenberg). Bei Wanderungen in der Böhmischen Schweiz überraschen mich immer wieder die ganz hervorragend gepflegten Rastplätze. Sehr häufig haben diese Plätze einen äußerst stabilen Fahrradständer, einen Sitzplatz mit Bank und manchmal eine grobe Wanderkarte. Die Wanderung geht jetzt noch ein Stück (ungefähr ½ Kilometer) am unteren Rand des Růžovský vrch (Rosenberg) entlang, um sich dann aber in östliche Richtung zu entfernen. Der Wanderweg ist sehr angenehm zu gehen und fällt ganz leicht ab. Kurz bevor es in die Ferdinandova soutěska (Ferdinands Klamm) hinunter geht, steht die nächste Tafel des Lehrpfades an der rechten Wegseite und informiert über den Wald an der Kamenice (Kamnitz) und ein paar der kleineren Vögel im Nationalparkgebiet. Bunker_bei_Grundmuehle_kleinGleich hinter dem Schild fällt der erste Bunker der Schöberlinie auf. Auch wenn diese Betonklötze schon seit vielen Jahrzehnten hier im Wald vor sich hin gammeln, sieht man immer noch kaum Zerfallserscheinungen und so werden die Dinger auch noch weiterhin viele Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte dort stehen. Auf den nächsten Metern runter in die Schlucht fallen direkt noch zwei weitere dieser Bunker auf. Wenn man in der Böhmischen Schweiz unterwegs ist, sieht man diese Bunker an wirklich vielen Stellen in der Landschaft. Insgesamt sollte es eine Verteidigungslinie gegen eine Invasion der Deutschen sein.
Der Abstieg ins Tal erfolgt über einige Stufen und an einer interessanten Talseite herunter. Nachdem man auch noch den gelben Strich erreicht hat, wandert man nach rechts weiter. Der Weg bleibt aber auch weiterhin mit dem grünen Schrägstrich markiert und führt in Richtung des Bachs. Zuerst passiert die Wanderung ein paar unscheinbare Ruinenreste, dann ein frisch renoviertes Ofen_bei_der_Grundmuehle_kleinKreuz und dann die große Wiese vor der Brücke. Im Herbst 2015 waren an der linken Seite fünf unterschiedliche Öfen aufgebaut, wobei jeder eine ganz andere Bauform hatte. Das war sehr interessant. Auf der rechten, hinteren Wiesenseite stand irgendwie eine Hütte, der aber noch das Dach fehlte. Gleich an der Wiese führt eine breite Brücke über die Kamenice (Kamnitz). Diese Brücke aus dem Jahre 1902 soll Böhmens erste Stahlbetonbrücke sein. Damit sieht sie zwar ähnlich hässlich aus wie die meisten Betonbrücken, aber immerhin ist sie etwas Besonderes und hat gezeigt, dass der Werkstoff schon so manchem Hochwasser getrotzt hat.
Die Wanderung geht nach links weiter und schon nach wenigen Metern kommt eine nette kleine Abwechslung. Da das Tal hier zu eng ist, muss man ein paar wenige Meter hoch steigen und dann einen Gang entlang wandern. Der Abstieg ist ein Wehr_und_Grundmuehle_kleinStückchen schwieriger, aber durch ein Geländer und ein paar Halteeisen nicht zu kompliziert. Auf der gegenüberliegenden Bachseite ist auch schon das Stauwehr und die Ruine der Dolský Mlýn (Grundmühle) zu sehen. Genau dorthin geht es als nächstes und dafür wird die nächste Brücke benutzt. Rueckseite_Grundmuehle_kleinDie Dolský Mlýn (Grundmühle) stammt im Ursprung aus dem 16. Jahrhundert und war zuerst eine Mahlmühle und dann eine Gaststätte/Herberge. Bis zum Anfang des 2. Weltkriegs gab es eine Kahnfahrt in der Ferdinandova soutěska (Ferdinands Klamm) bis zur Dolský Mlýn (Grundmühle) und deshalb verweilten relativ viele Besucher an der Gaststätte. Heutzutage gibt es in der Böhmischen Schweiz immer noch nur wenige Stellen, an der sich ähnlich viele Besucher wie an der Dolský Mlýn (Grundmühle) aufhalten.
Die Wanderung folgt immer noch der grünen Wanderwegmarkierung, steigt zwischen den beiden Ruinen leicht an und biegt dann nach rechts ab. Auch hier steht wieder mal eine Informationstafel, diese informiert über die Dolský Mlýn (Grundmühle). Der Weg steigt ½ Kilometer auf der ursprünglichen Zufahrt zur Mühle aus dem Tal heraus, bis der erste gut sichtbare Weg nach rechts abbiegt. Hier steht auch ein Wegweiser, der aber im Herbst 2015 keinen Hinweis auf die tolle Aussicht gab. Aussicht_oberhalb_Grundmuehle_kleinMan muss also einfach wissen, dass man hier in den Wald wandern muss, um nach ein paar hundert Metern zu einer Bank auf einem Felsausläufer zu gelangen. Der Hinweis des Tippgebers war wirklich lohnenswert. Man sitzt dort an einem wirklich tollen Platz und blickt auf das Tal und die Felsen der Kamenice (Kamnitz). Überraschenderweise hört man überhaupt nichts von den Besuchern an der Dolský Mlýn (Grundmühle).
Die Wanderung geht von der Aussicht kommend nach rechts grün markiert weiter. Schon nach ½ Kilometer erreicht man Kamenická Stráň (Kamnitzleiten). In dieser Miniortschaft fallen ganz besonders die sehr gepflegten Häuser und Grundstücke auf. Wirklich jedes dieser Häuser sieht toll aus und selbst um ein ganz neu gebautes Haus sind als Zaun Sandsteinsäulen aufgestellt worden. Veronika_Kreuz_1837_kleinVor diesem Haus befindet sich auch mal wieder eine Informationstafel und diesmal geht es um Umgebindehäuser und die eigentliche Ortschaft. Schutzengelkiefer_kleinFür die nächsten 400 Meter muss man auf der Dorf- bzw. Zufahrtsstraße entlang wandern, was aber bei 10 Häusern nicht gerade ein Problem ist. Dann biegt der grüne Wanderweg ziemlich versteckt nach rechts ab. Bild_an_der_Schutzengelkiefer_kleinNach einem ¾ Kilometer erreicht man eine Kreuzung, an der als erstes ein neues Sandsteinkreuz mit der Jahreszahl 1837 auffällt. Dabei handelt es sich um das sogenannte Veronika´s Kreuz (Veroničin kříž). Hier soll im Jahre 1837 Veronika Bergert von ihrer Geschäftspartnerin erschlagen worden sein. Gleich daneben steht die 300 Jahre alte Kiefer mit einem geweihten Bild des Schutzengels. Auf dem Bild ist ein Engel zu sehen, der auf ein Kleinkind Obacht gibt.
Für den weiteren Weg muss man ein wenig aufmerksam sein, da der grün markierte Wanderweg sehr unauffällig auf der gegenüberliegende Seite weiter geht. Er führt noch ein kleines Stück durch den Wald und kurz vor dem Waldrand erreicht man mehrere uralte Kastanienbäume. Üblicherweise stehen diese Bäume nie ohne menschliches Zutun im Wald und so sind diese Bäume die letzten Überreste der ehemaligen Siedlung Nová Víska (Neudörfel). Bei dem weiteren Weg über die Felder muss man ziemlich aufmerksam sein, da sich die Wanderwegmarkierung gleich mehrmals gut versteckt, aber immer vorhanden ist. Nach ungefähr 400 Metern auf dem Feldweg biegt die Wanderung nach links ab und kurz darauf geht es mit einem Pfad bis hoch auf den Pastevní vrch (Hutberg). Ziemlich in der Mitte der Wiese ragt ein kleinerer Betonklotz aus der Wiese. Von der Vorderseite kann man hineinblicken und mit Überraschen feststellen, dass es ein tiefes Loch mit relativ klarem Wasser am Grund ist. Das letzte Stück hoch zum Pastevní vrch (Hutberg) erfolgt über ein paar Koppeln Gipfel_Hutberg_Rosendorf_kleinmit Rindern, welche riesige Hörner haben. Das wäre nicht das große Problem, wenn die Viecher nicht direkt neben dem Weg stehen und einen ziemlich neugierigen Eindruck machen würden. Vielleicht lag es aber auch nur an meiner leuchtend roten Windjacke. Auf dem Pastevní vrch (Hutberg) angekommen, kann man sehr schön den Rundumblick genießen. Ganz besonders nett ist, dass dort auch noch ein überdachter Aussichtsturm steht.
Die Kreuz_und_Marienstatue_Rosendorf_kleinletzten Meter dieser Wanderung führen von dem Berg herunter und noch ein paar wenige Meter auf der Zufahrt zum Parkplatz bzw. von Kamenická Stráň (Kamnitzleiten). Zwischendurch passiert man noch ein Kreuz und eine Marienstatue, die beide so aussehen, als wenn sie nagelneu wären. Hoffentlich vergreifen sich nicht wieder irgendwelche Banausen daran.
Damit ist eine sehr nette Wanderung zu Ende gegangen, die gleich mehrere tolle Plätze enthalten hat. So war die Empfehlung für die Aussicht in das Tal der Kamenice (Kamnitz) wirklich sehr gut, die borovice Anděla strážného (Schutzengelkiefer) mit dem Veroničin kříž (Veronika Kreuz) war eine nette Abwechslung und auch der einfach zu besteigende Pastevní vrch (Hutberg) lohnenswert. Das Einzige, was man vielleicht auf der Runde weglassen könnte, wäre der Růžovský vrch (Rosenberg), aber ein bisschen Sport kann auch nicht schaden.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Böhmen / Schöna mit dem VVO-Navigator und dann weiter mit dem Tschechischen Navigator (jizdnirady.idnes.cz).
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Rosenberg

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