Käs und Brot

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivnegativnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 5,25 h
Entfernung:
ca. 20,50 km
Höhenunterschied:
ca. 580 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
lang
steiler Aufstieg
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen und Hühnerleitern
empfohlene Karten:
Nationalpark Böhmische Schweiz;
Nationalpark Böhmische Schweiz
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Hinterhermsdorf - Haus des Gastes - blauer Strich - Buchenstraße - Buchenparkhalle - Hohweg - Cupetiusstein - Wettinplatz - grüner Strich - Hohweg - Janslochweg - Rotkehlweg - Kirnitzschtal - blauer Strich - Grenzübergang Hinterdittersbach - grüner Strich - Jankenwaldweg - Jungferntanne - blauer Strich - Brückengrund - Käs und Brot - Bittler - Piket - Ziegenrücken - Wolfstafel - Kirnitzschtal - Grenzübergang Hinterdaubitz - roter Strich - Liebschenräumicht - Hinterdaubitzer Straße - Hinterhermsdorf - Neudorf - gelber Strich - Neudorfstraße - Haus des Gastes

Beschreibung:

Irgendjemand hatte mich mal gefragt, ob ich schon die schöne Aussicht am Berg Käs und Brot entdeckt hätte. Tja, das hatte ich nicht. Zuerst musste ich erst mal nachsehen, wo dieser Berg sich überhaupt befand. Blöderweise gibt es im Moment nur sehr wenige brauchbare Wanderkarten für diesen Bereich der Böhmischen Schweiz. Ich habe mich dann leider auf eine Karte verlassen und das sollte sich gleich mehrmals rächen. Aber dazu später.
Der Startpunkt liegt im Zentrum von Hinterhermsdorf. Vom Parkplatz geht es nach rechts auf der Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich in Richtung Buchenparkhalle. Sobald man das Gebäude der Honigfabrik_bei_der_Buchenparkhalle_Hinterhermdorf_kleinGaststätte Buchenparkhalle passiert hat, biegt die Wanderung nach links ab und führt schnurgerade zwischen einigen Schrebergärten und dem Wald entlang. Richtig nett sind in einem Cupetiusstein_Hinterhermsdorf_kleinder Schrebergärten einige Holzarbeiten ausgestellt. Besonders lustig sieht die Honigfabrik aus. Leider kann man auf meinem Foto nicht so gut erkennen, welche riesige Mühe sich der Gartenbesitzer mit den vielen Figuren gegeben hat. Nach etwas mehr als einem Kilometer verlässt man den blau markierten Wanderweg und geht unmarkiert geradeaus weiter. Schon nach wenigen Metern fällt auf der rechten Wegseite ein Gedenkstein auf. Hier wird an einen Herrn Gottlieb Cupetius gedacht, der an dieser Stelle am 17. Juni 1834 verstorben sein soll.
Schon bald biegt der breite Weg nach rechts ab und man kann deutlich sehen, dass er schon vor sehr langer Zeit angelegt worden ist. Einerseits ist dieser Waldweg durch einen Felsen gearbeitet worden, dann sind ordentliche Pflastersteine verlegt worden und in der linken Felswand befindet sich die Jahreszahl 1829. Dieses Teilstück endet auf einem der neuen Forstwege im Bereich von Hinterhermsdorf. Der Weg ist mit dem grünen Strich grüner Strich markiert und wird nach rechts verfolgt. Schon nach ein paar Metern wird einer der vielen Wettinplätze erreicht, der mit einer Schutzhütte, einer Informationstafel und dem obligatorischen Wettinstein ausgestattet ist. Die Wanderung führt noch 600 Meter weiter auf der grünen Wanderwegmarkierung, bis auf der rechten Seite der Eichelborn, eine umzäunte Quelle, auftaucht. Hier biegt man auf einen breiten Waldweg nach links ab. Dieser heißt Janslochweg und man folgt ihm 300 Meter, bis eins der Kernzonenschilder darauf hinweist, dass man beim Weitergehen die Kernzone des Nationalparks betritt. Genau hier soll es an der Grenze zur Kernzone nach rechts in der Schlucht abwärts gehen. Je länger man hier herab steigt, desto höher und beeindruckender werden die Felsen. Genauso ist es, wenn man die Wanderung zur Kirnitzsch_und_Rabensteine_kleinSchneeschmelze oder nach einem ordentlichen Regenschauer unternimmt. Je weiter man absteigt, desto feuchter wird der Pfad, weil genau über ihn auch der Bachlauf den Weg nach unten sucht. Am Ende des Abstiegs erreicht man die Kirnitzsch und dort geht es auf der Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich weiter bachabwärts. Nach wenigen hundert Metern ändert sich das Aussehen des Tales, weil es sich weitet und ab dort die Kirnitzsch die Möglichkeit hat, Flussschlingen mit Geschiebe zu bilden (Mäandern).
Nachdem man 1 ½ Kilometer an der Kirnitzsch entlang gewandert ist, geht es an der ersten Möglichkeit nach links über einen Wandergrenzübergang nach Tschechien. Sobald man auf der Brücke die Kirnitzsch überquert hat, wandert man nach links auf der Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich weiter. Sehr interessant ist, dass gleich am Beginn des Weges ein Verbotsschild für Radfahrer steht. Dadurch ist dieser Weg ein sehr ruhiger Abschnitt, weil die Tschechen viel lieber mit dem Rad als zu Fuß unterwegs sind. Auch wären die nächsten Kilometer für Radfahrer ziemlich hubbelig und deshalb auch nicht als Geheimtipp vorhanden. Der Waldweg steigt relativ leicht an und es ist sehr interessant, dass es sich um einen Gratweg handelt. Das kann man gleich an mehreren Stellen sehr deutlich sehen. Der Weg führt 3 ½ Kilometer aufwärts. Auf der linken Wegseite befindet sich die tschechische Kernzone, die man immer an den roten Ringen an den Bäumen erkennen kann. Sehr seltsam ist, wenn wie in diesem Fall in der Kernzonengrenze Bäume gefällt werden. Es ist schon wirklich verwunderlich, dass ich zu Fuß nicht durch den Wald gehen darf, aber die Forstmaschinen gigantische Spuren hinterlassen dürfen. Das erscheint mir als normaler Waldbesucher überhaupt nicht schlüssig.
Nach den 3 ½ Kilometern erreicht man eine Wegkreuzung, an der geradeaus ein mächtiger Baumstumpf auffällt. Informationstafel_und_neue_Jungferntanne_kleinEs soll sich um die ehemalige Jungferntanne handeln, die früher mit einem Bild geschmückt war. Das Bild stellte ein Mädel dar, das sich bei einem Köhler vor einem Jäger versteckte bzw. Schutz suchte. Heutzutage hängt ein ähnliches Gemälde an einer mächtigen Buche an dem rechten Weg. Damit es in Zukunft passend zu der Geschichte auch wieder eine Tanne ist, hat der Nationalpark Böhmische Schweiz auch wieder eine Tanne gleich daneben gepflanzt und eine Informationstafel aufgestellt. Der Inhalt der Tafel ist: „An dieser Stelle stand vor Jahren die sog. Jungfertanne. Ein mächtiger Sturm, der hier am 08. Sep.1932 tobte, riss die trockene Krone des damals schon drei Jahre abgestorbenen Baums zu Boden. Der Rest des Stamms blieb damals noch für einige Zeit stehen. Ein Teil des Holzes wurde zum Schmücken der herrschaftlichen Balzhütte verwendet. An der gleichen Stelle pflanzten Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz am 31. Okt. 2011 eine neue Jungfer Tanne. Die sechs Jahre alte Pflanze wuchs aus im Nationalpark gewonnen Samen auf.“ Ziemlich schade ist, dass der deutschsprachige Teil des zweisprachigen Schildes vollkommen zerkratzt ist. Es war bestimmt richtig viel Arbeit, so ein schön geschnitztes Schild zu erstellen und dann kommt irgendein Rabauke, der das kleine Kunstwerk zerstört. Hoffentlich überlebt wenigstens die kleine Tanne, aber zum Glück ist sie sehr professionell eingezäunt.
An dieser Kreuzung wechselt man auf die blaue Wanderwegmarkierung blauer Strich und wandert in die ausgeschilderte Richtung Černá brána (Schwarzes Tor) weiter. Schon auf den ersten Metern des Abstieges steht mal wieder eine dieser getarnten Zählstationen der Böhmischen Schweiz. Der Weg runter bis ins Tal des Červený potok (Rotes Floß) ist ziemlich abwechslungsreich und nur im Winter und bei starkem Regen sehr rutschig. Sobald man nach zugewachsener_Waldweg_Rotes_Floss_kleineinem Kilometer das Tal des roten Floß (kleines Bächlein) erreicht hat, verlässt man die blaue Wanderwegmarkierung und geht nach rechts leicht ansteigend weiter. Im Sommer 2012 sah der Weg sehr ungewöhnlich aus, weil von beiden Wegrändern ein dichter Wald mit kleinen Fichten auf den Weg drängte. Noch lassen die Fichten genug Platz, dass man sehr angenehm die nächsten 700 Meter wandern kann. Dann verlässt man nach links auf dem ersten gut sichtbaren Aufstieg das Tal und folgt dem Waldweg. Nach wenigen Metern weist ein Schild darauf hin, dass der Weg in der Zeit von Anfang März bis Ende Juli wegen seltener brütender Vögel gesperrt ist. Daran sollte man sich auch halten, da angeblich die tschechischen Ranger sehr schnell mit den Strafmandaten sein sollen. Außerdem ist es tatsächlich so, dass man hier auch nach der Sperrzeit ein deutliches Geschrei von Vogeleltern und Kindern hören kann. Der Weg ist sehr einfach zu finden und wenn ich die alte Wanderkarte richtig gedeutet habe, ist dieser Waldweg der ursprüngliche Wanderweg von früher gewesen.
Nach einem ¾ Kilometer erreicht man überraschenderweise wieder die blaue Wanderwegmarkierung. Auch hier steht wieder ein Schild mit den Sperrzeiten. An dieser Stelle fing mein großes Elend mit der mangelhaften Wanderkarte an. Hier sollte laut der Karte ein Pfad in der Verlängerung des Waldweges den Hang aufsteigen. Auf jeden Fall sind hier die Felsen unterbrochen und die Steigung ist für Wanderer zu bewältigen. So bin ich dort hochgeklettert, aber oberhalb der Felsen fing das große Suchen nach einem passenden Weg an. Ohne mein Navigationsgerät hätte ich hier oben ganz sicher sofort den Rückweg angetreten, weil einfach kein Pfad sichtbar war, aber so wusste ich, dass sich der Gipfel wenige Meter weiter oben befindet. Aussicht_von_Kaes_und_Brot_kleinTatsächlich schafft man es zwischen den Felsen nach oben und dann gibt es dort oben eine Aussicht. Der Platz besteht aus ein paar freien Felsen, von denen man nett über den Wald und auf die Berge der Böhmischen Schweiz blicken kann. Das ist nicht gerade eine spektakuläre Aussicht, aber immerhin handelt es sich um ein super ruhiges Plätzchen und fordert nett dazu auf, eine Brotzeit passend zum Gipfel mit einem Käsebrot zu absolvieren.
Von dem Gipfel Dravci skala (Käs und Brot) führt immerhin in nördliche Richtung ein Trampelpfad weg. Laut der Wanderkarte sollte eigentlich in nordöstliche Richtung ein weiterer Pfad bis hinunter in den Grund führen, aber alle erdenklichen Stellen enden immer an einer ca. 10 Meter hohen Felskante und haben meine Wanderung gleich mal um ½ Stunde verlängert. In der echten Natur gibt es anscheinend tatsächlich nur einen einzigen Pfad auf bzw. runter von dem Käs und Brot und dieser führt in nördliche Richtung weiter. Aber das sollte noch nicht der letzte Punkt mit der mangelhaften Karte sein. Der Pfad passiert gleich mehrere Male gewaltige Felsschluchten, die immer nach links herunter abfallen, aber ohne Problem überwunden werden können. Nach ½ Kilometer erreicht man eine Schranke und dahinter geht es super angenehm weiter geradeaus. Zwischendurch kann man auf der linken Wegseite in einer bearbeiteten Felswand die Jahreszahl 1905 entdecken. Dieser gut ausgebaute Waldweg führt auf gleichbleibender Höhe in einem großen Bogen um den Pytlak (Bittler) und endet nach 1 ½ Kilometern auf dem Radweg 3031. Felsendurchbruch_fuer_Forststrasse_kleinHier geht es an einer Holzhütte mit dem Namen Piket nach links weiter abwärts. Der Forstweg ist mit sehr großem Aufwand quer durch einen Felsen gearbeitet worden. Das sieht schon ziemlich ungewöhnlich aus, weil links und rechts ganz glatte senkrechte Felswände den Weg begrenzen. Seltsamerweise ist nur eine Jahreszahl (1957) in den Seiten zu entdecken und es würde mich verwundern, wenn es sich um das Baujahr handelt.
Die Wanderung führt weiterhin noch ein Stück abwärts und dann kommt mal wieder eine Stelle, bei der mich die Karte reingelegt hat. Man wandert den Weg abwärts und in einer Linkskurve geht auch deutlich sichtbar ein Weg geradeaus weiter. Hier sollte man unbedingt weiterhin auf dem Fahrradweg bleiben, denn der Weg geradeaus ist zwar wirklich sehr angenehm zu gehen, weil es über einen sehr langgezogenen Berg Kozí Hřbet (Ziegenrücken) geht, aber er endet im Nix. Dann kann man entweder den Kilometer zurück wandern oder den Querfeldeinweg abwärts wählen. Beide Varianten sind nicht besonders schön und deshalb empfiehlt es sich, weiter auf dem ausgeschilderten Radweg/Wanderweg zu gehen. Nach einer Strecke von 2 ½ Kilometern auf dem Radweg passiert man eine Felsmurmel mit Inschrift auf der linken Wegseite, darauf wird über die Jagd eines Hegers namens Grohmann auf zwei Wölfe im Jahre 1640 in seltsamer Schrift berichtet.
Bald ist der Grenzübergang Zadní Doubice (Hinterdaubitz) erreicht und es geht an der ehemaligen Grenzerhütte wieder zurück nach Deutschland. Hier war der passende Zeitpunkt, sich von der Wanderkarte zu trennen. Immerhin ließen sich ganz hervorragende Bötchen daraus falten und so hat diese Karte wenigstens noch eine ordentliche Funktion gehabt. Die ärgert mich ganz sicher nie wieder.
Der Weg über die Grenze und dann in Deutschland weiter stammt aus weit vergangenen Zeiten und hat ganz bestimmt schon so manches erlebt. Hier soll sogar mal früher ein Linienverkehr von Hinterhermsdorf nach Khaa gefahren sein. Was ich auf jeden Fall zu meiner Zeit gesehen habe, waren immer wieder deutsche Grenzer, die mit ihren Fahrzeugen über diesen asphaltierten Weg bis zur Kirnitzschbrücke gefahren sind. Heutzutage ist der Weg für Fahrzeuge unpassierbar geworden, schoene_Wiese_Liebschenraeumicht_kleinaber dafür flitzen große Mengen Radfahrer über die Strecke. Nach ½ Kilometer erreicht man einen pilzförmigen Rastplatz und eine Kreuzung mit der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich. Dieser folgt man 150 Meter nach rechts, um dann gleich wieder nach links abzubiegen. Hier beginnt das letzte Stück dieser Wanderung, das über das Neudorf von Hinterhermsdorf bis zum Ausgangspunkt führt.
Der größte Teil dieser Wanderung war ganz gut, aber wenn das eigentliche Hauptziel ein echter Reinfall ist und außerdem noch drei Mal ein größeres Verlaufen innerhalb einer Runde enthalten ist, dann können die schönen Streckenteile einfach die Wanderung nicht mehr retten. Leider ist es bis heute so, dass die Tschechen lieber mit dem Rad unterwegs sind und dafür keine besonders detaillierte Karte notwendig ist. Vielleicht wird sich in Zukunft ein ordentlicher Kartograph an die Erstellung einer Karte machen, die der Realität näher ist.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Hinterhermsdorf Erbgericht mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Hinterhermsdorf Ortsmitte
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 4,00€

2 Gedanken zu „Käs und Brot“

  1. Hast du wirklich die richtige Aussicht Käs und Brot direkt über der Schweifsternnadel gefunden? Von dort ist die Aussicht nämlich wirklich herrlich und ziemlich umfassend. Allerdings hat man eine kleine Felsstufe abzusteigen, um aus dem Wald direkt auf das offende Felsplateau zu kommen.
    Mittlerweile ist ja durch die Böhmkarte Khaatal das Problem der Wanderkarte gelöst, ein bisschen gucken muss man trotzdem noch und an Wochenenden sollte man auch mit Kletterrucksack und wenigstens rudimentärer Kenntnis der lokalen Klettergipfel unterwegs sein, sonst wird man vom grünen Scheuch, der dort im Gebüsch lauert, zurück geschickt.

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